Haute Cuisine mit Krötenextrakt
Was für ein Karneval! Während sich auf den Straßen die Jecken tummelten, haben wir's im Restaurant so richtig krachen lassen; und dabei sogar noch 69 Euro gespart. Weil wir Gutscheine hatten, reduzierte sich unsere Rechnung sogar auf winzige 296,60 Euro. Zum besseren Verständnis: Es war keine Hochzeitsfeier, sondern nur ein netter Abend zu sechst - Faschingsmuffel unter sich. Die Weiblichkeit hatte im Vorfeld etwas von „gehobenem Ambiente“ gemurmelt und damit wohl andeuten wollen, dass drei Gänge und zwei Flaschen Wein knapp 370 Euro kosten könnten. Die Rechnung kam in einer rosa Plüsch-Schatulle in Herzform. Die wurde dann von jedem am Tisch mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck an den Tischnachbarn weitergegeben. Man sollte wohl generell vorsichtig sein, bei Etablissements, in denen es keine Speisekarten gibt.
Oder eben nur lebende Varianten. Im Showroom in München, wo wir gestern speisten, kommt stattdessen der Küchenchef und diskutiert mit einem über die Zutaten, die er für sein Überraschungsmenü nicht verwenden sollte. Das kann bei mir dauern. Ich mag nämlich keine Pilze, keine Oliven, keine Avocados, keinen Käse, keinen Rosenkohl, keinen Kürbis, keine Rote Beete, keine Auberginen, keine Innereien, keine Muschel oder andere Meeresviecher und, und, und ... Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich ihm eine Liste geschrieben. Naja, das nächste Mal vielleicht. Bis dahin muss ich aber erst mal sparen. Angefangen haben wir damit schon und sind erst mal bis zum Ostbahnhof gelaufen, um Kurzstrecke fahren zu können. Yes, 1,10 sind schon wieder drin!
Abgesehen vom Preis ist der Showroom aber richtig nett: die Leute sind cool, das Essen ist super und das „gehobene Ambiente“ ist so weit auch gemütlich. Ich glaube allerdings, dass dieser „junge Wilde“ von Koch etwas ins Essen mixt, damit es so gut schmeckt. Irgendwas Exotisches. Oder warum habe ich sonst nach dem Genuss dieses feudal bepreisten Mahls die ganze Nacht von rot-braun gesprenkelten Kröten geträumt? Haute Cuisine mit Krötenextrakt? Wer weiß ...
Was ich noch erwähnen muss: Tatar vom Gelbflossen-Thunfisch ist so gar nicht meins. Obwohl dieser Ahi, wie sie ihn in Hawaii nennen, sehr putzig aussieht mit seiner knallgelben Afterflosse. Ganz nebenbei erwähnt, gehört auch er zu den Lebensmitteln, die – genau wie Spargel und Omas Gulasch – auf den menschlichen Urin durchschlagen. Der muss wohl auf die Liste. Er bekommt ein schönes Plätzchen: Hinterm Rosenkohl ist noch was frei.
An Guad'n,
die Chantále
(Kopie 1)
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So, ihr Spam-Roboter-Schwuchteln! Ausgespamt!
Das war ja nicht mehr auszuhalten ...