Die toten Körper der Lebenden
Er wollte mehr Licht auf der Bühne, er wollte einen Stuhl, er wollte Wasser, er wollte ein besseres Mikrofon, er wollte, dass ihn diese Frau nicht so schief ansah und – er wollte Liebe. Was er aber nicht wollte: etwas aussagen mit seinem Film.
"Die toten Körper der Lebenden" ist das neue diffuse Werk des österreichischen Regisseurs, Schauspielers und – wie behauptet wird – Multitalents Peter Kern. Einem wahren "Wunderwuzzi", wie man im Österreich so schön sagt.
Grob zusammengefasst geht es um zwei schwule Sexualverbrecher, die aus dem Knast ausbrechen und in einem alten Kabarett auf eine ehemalige Berühmtheit und ihren grantligen Ehemann treffen. Dann gibt's da noch so etwas wie einen Butler, der im Gefrierschrank schläft und einen Blinden, der (wie Peter Kern) an der Krücke geht und dabei Dreck verkauft (wie Peter Kern?). Dann schlitzen sich die Darsteller gegenseitig auf und machen allerlei homoerotischen Schabernack. Hinzu kommen ein Potpourris tiefsinnig klingender Floskeln und einige Musical-Elemente á la "Die Fledermaus in deinem Haar!" Schließlich sind fast alle tot und Multitalent Kern singt in einer Mülltonne selber noch einen Rausschmeißer. Ganz großes Trash-Kino.
Aber der Film war eigentlich nicht so wichtig. Zumindest verblasste er recht schnell hinter Kerns Selbstinszenierung auf den Hofer Filmtagen, wo der Film gezeigt wurde. Das obligatorische Filmgespräch nach der Vorstellung geriet dank Kerns provozierendem Ansatz schnell zu einer Grundsatzdebatte, wer hier der Blödere sei: das Publikum oder der Regisseur.
Kern wollte das Publikum vergrätzen, er wollte es vorführen. Die normalen Leuten, die er mit Abscheu betrachtet, waren die Leinwand auf die er seinen Selbsthass und seine morbide Weltanschauung projizierte. Oberflächlich sei das Publikum hier, provinziell, verstünde nichts von Kunst. Keiner hier im Saal könne intelligente Fragen stellen, sagte er. Deshalb bekam vielleicht auch keiner eine intelligente Antwort. "Diese Frage ist obszön, sie ist nicht erlaubt und deshalb beantworte ich sie auch nicht. Sie fanden den Film scheiße? Da steckt mein Herzblut drin, sie haben nicht das Recht zu sagen, der Film sei scheiße. Gehen Sie doch nach Hause onanieren", sagte das Multitalent. Da fragt man sich schon, wer hier obszön ist. Das Publikum sei schon immer mies gewesen in Hof, bekräftigt er. "Warum zeigen Sie dann Ihre Filme hier? Was wollen Sie noch hier?" – "Ich will Liebe!" Das Publikum lacht. Der Beweis für seine Schlechtigkeit und emotionale Abstumpfung. Kern bekam nicht das Mitleid, das er offensichtlich wollte. Warum sonst würde er so mit seiner Fettleibigkeit hausieren gehen? Keiner hätte ihn ansehen können, als er in der Altstadt saß und seinen Tee trank. Da sei symptomatisch hier. Oh ja, alles schlechte Menschen. Nein, nicht alle. Einige stimmten Chöre an: "Peter, wir lieben dich!" und klatschen am Ende heftig Beifall. Pure Ironie.
Er wünschte dem Publikum noch: "Kommen Sie gut nach Hause!" Und das Publikum dachte: "Kommen Sie erstmal gut durch die Tür..."
Kernige Grüße
die Chantále
Neues vom Kern
Freunde, es gibt Neuigkeiten! Peter Kern treibt wieder in der deutschen Medienlandschaft sein Unwesen. Neulich erst war er bei Maischberger geladen, um etwas zum Thema Schönheit zu sagen. Das hat nur mäßig funktioniert. Eigentlich ging's mehr darum, wie Fett mit Liebe zusammenhängt. Wer's trotzdem sehen will, hier der Link:
http://www.daserste.de/mediathek_blank/play.asp?cid=15517
Nach diesem grandiosen Kern'schen Auftritt wollte auch die Bunte unbedingt ein Interview mit ihm machen. Und wer ahnt es schon? Es ging um unerfüllte Liebe. Und wie Kern selbst sagte: "Mein ganzer Körper ist ein Unglück. Ich bin hochsensibel und trage in meinem dicken Bauch das ganze Unglück, das Leid und die Qual der Welt mit mir herum." So dick, dass alles Leid der Welt rein passt, ist Peter Kern aber auch nicht. Typisches Symptom seines Weltbilds, in dem er als Zentralgestirn wirkt. Der Hang zur Selbstdarstellung wurde ihm wie es scheint in die Wiege gelegt. Wem's gefällt: Bunte, Ausgabe 6/2008, Seite 118. Foto ist auch dabei.
Ich kann nicht oft genug betonen: Ich bin ein FAN von Peter Kern!
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Der Graf war dabei und hatte großen Spaß. War ja auch gradios, das Schmierentheater innerhalb und außerhalb des Films. Letzenendes hat jeder das bekommen, was er wollte:

Das zu recht irritierte Publikum die Möglichkeit, sein Mißmut und Unverständnis kundzutun. Der masochistische Herr Kern seine erwünschten Beschimpfungen. Und der Rest eine tolle Unterhaltung!
Eins muss man dem österreichischen Universalgenie zu Gute halten: Er hat für den Schmarrn immerhin keine Steuergelder verschwendet! Deswegen darf er weiter schlechte Filme mit grottigen Schauspielern, sinnfreien Dialogen, schäpperndem Ton, übler Beleuchtung, hässlichen Locations und fragwürdiger Musik drehen.