Gratis pinkeln, so'n Müll!
Schon lange frage ich mich, wo Müllmänner wohl aufs Klo gehen. Die fahren den ganzen Tag hinten auf so einem stinkenden Laster mit und zerren überfüllte Mief-Tonnen aus ihren Häuschen. Sie sind immer gehetzt, bei Wind und Wetter draußen unterwegs und meistens schlecht gelaunt. Das liegt bestimmt nicht nur am Wetter und am Müll. Wie alle Menschen müssen die irgendwann mal. Nur wo sollen die ihr Geschäft verrichten? In den Büschen? Tragen die Windeln? ... Die werden doch nicht etwa in die Tonnen!?!
In Berlin scheint es das schon vor Jahren gegeben zu haben, wie der Tagesspiegel berichtete: „Überhaupt nicht an die Vorschrift halten sich die 'orangenen Engel' dagegen, wenn sie einen privaten Aufstellplatz für die Mülltonnen als Ersatztoilette benutzen und neben den Tonnen urinieren.“ Nachzulesen im Online-Angebot der Zeitung. Der Grund: öffentliche Toiletten, die gratis benutzt werden können, gebe es kaum noch. Und die im Gegenzug von der Firma Wall aufgestellten Toiletten sind kostenpflichtig. Statt jetzt einfach irgendwo zu klingeln und zu fragen: „Darf ich mal bei Ihnen pinkeln?“ suchen die von Notdurft geplagten Entsorgungsexperten eben flexible Lösungen.
Für München, weiß ich nun, wie die das machen: Bausstellenklos. Dixi, Toitoi, LePlumps etc. Zum Beispiel nehmen sie das auf unserem Gehsteig. Jeden Donnerstag verlassen wir so gegen 8:00 Uhr morgens das Haus und müssen dann erst mal warten. Denn um diese Zeit kommt die Müllabfuhr und versperrt die Sackgasse, in der wir wohnen. Wir sehen also den fleißigen Orangen bei der Arbeit zu – und jedes Mal sehen wir auch wie „Der mit der Mütze“ im Plastik-Plumpsklo der Bauarbeiter verschwindet. Darf der das überhaupt? Und gäbe es nicht eine bessere Lösung? Es bleibt doch trotzdem unwürdig, immer den Pipi-Schmarotzer spielen zu müssen. Ich finde das sollte man besser und – wie heißt es so schön in der Politik – nachhaltiger lösen. Denn das Klo wird da nicht für immer stehen. Was machen die dann? Pinkeln sie in Zukunft auch in meine Mülltonne? Vielleicht sollte man lieber ein Klo in den Müllwagen integrieren. Oder wie wäre ein kleiner Anhänger mit so einem Dixi drauf? Sähe bestimmt auch sehr putzig aus. Abends kippen die den Inhalt dann zusammen mit dem anderen Müll in die Halde oder in die Verbrennungsanlage. Alles wunderbar. Es müsste nur politisch gewollt sein.
Wenn sich das dann doch nicht durchsetzt, könnte man den „Orangenen Engeln“ vielleicht folgende Website empfehlen: www.gratispinkeln.de. Es handelt sich hierbei um eine Suchmaschine für kostenlose öffentliche Toiletten in ganz Deutschland; entwickelt vom Freiburger Studenten Andreas Zoerb. Für unterwegs ist die Seite praktischerweise auch per Handy abrufbar: http://wap.gratispinkeln.de. Allerdings ist das Angebot nicht überall gleich umfangreich, so dass man manchmal schon etwas Glück haben muss, um in der Nähe ein stilles Örtchen zu finden. Trotzdem eine gute Idee, nicht nur für Müllmänner. Ich werde es „Dem mit der Mütze“ mal empfehlen.
Tschüssi,
die Chantále




