Lutschen, Lecken, Eier knabbern
Grünes Irland, Insel saftiger Auen und wolliger Schäfchen. Heimat von Kerry Gold und Guinness. So kennt man dieses Land aus den Prospekten. Doch es hat auch Schattenseiten. Ich lernte die Seite des fiesen Irlands kennen, der Brutstätte satanischer Süßigkeiten. Wie dem „MONSTER WUNDERBALL“ aus der Produktion der irischen Firma Zed Candy. Entdeckt in einer Bäckerei und beschafft von einer edlen Spenderin, versprach ich das Objekt näher zu untersuchen. Hier nun der ausführliche Bericht.
Bezeichnung: MONSTER WUNDERBALL, Lutschbonbon mit Ballonkaugummi-Kern zum Lutschen und Kauen. 85 Gramm Einwaage. 1,20 Euro Verkaufspreis beim örtlichen Bäcker.
Zutaten: Zucker, Zucker, Zucker, sechs mal E.
Warnhinweis: „Achtung: Harte Süssware-Verschluckungsgefahr. Nicht geeignet für Kinder unter 5 Jahren. Aufsicht von Erwachsenen empfohlen.“ Ich möchte anmerken, dass auch ärztliche Begleitung oder gegebenenfalls die Nähe zu einer Dental-Klinik vorteilhaft sind.
Der Wunderball im Selbstversuch
Optischer und haptischer Eindruck
Abstoßend. Die Verpackung sieht nicht gerade verführerisch aus. Dennoch öffne ich die Kunststofffolie behutsam. Es kommt ein leicht eiförmiges Objekt mit einem maximalen Durchmesser von 5,2 Zentimeter zum Vorschein. Die Hülle scheint aus hochfestem Kalk zu bestehen. Auf der Oberfläche schimmern vereinzelt farbige Flecken. Rosa, grün und blau. Das ist hoffentlich kein schlechtes Zeichen. Nach dem Ausmessen der maximalen Öffnung meines Mundes, sie beträgt lediglich 4,5 Zentimeter zwischen den Gebissreihen, stelle ich fest, dass der Monster Wunderball nicht im Ganzen in meinen Mund passen wird. Bedenken wir, dass diese „Süßigkeit“ eigentlich für Kinder gedacht ist, lässt sich nur schlussfolgern, dass der Ball nicht dafür konstruiert wurde, im Ganzen verzehrt zu werden. (Wie dann die Verschluckungsgefahr entstehen soll, vor der auf der Packung so eindringlich gewarnt wird, bleibt rätselhaft). Leider ist auf der Verpackung sonst keine Anleitung zu finden. Außer „Zum Lutschen und Kauen“. Ok, dann lutschen wir mal...
Lutschtechnische Einschätzung
Ich gleite mit der Zunge über die raue Oberfläche des Balls. (Mal ganz nebenbei: Man kommt sich unglaublich bescheuert vor, an einem großen weißen Ball rumzulecken und hofft inständig, dass einen keiner dabei beobachten möge). Es schmeckt leicht sauer und doch irgendwie süß. Nach etwa fünfminütigem Lecken und Lutschen zeichnet sich noch kein wirklicher Erfolg ab, lediglich die Oberfläche des Balls wird glatter und die Zunge zunehmend taub. Das kann ja noch ewig dauern! Leider wird die Kugel durch das Lecken nicht weicher. Alle Versuche hinein zu beißen schlugen fehl. Die Strategie wird geändert.
Härte mit Härte bekämpfen!
Ich hole aus dem Küchenschub ein Hilfsmittel. Es ist beschriftet mit der Marke Wilkinson und der Ergänzung Durascharf. Das sollte dem dämlichen Ball den Garaus machen. Säg, Säg, Schab, Schab, Kratz, Kratz. So ein Dreck. Von wegen Durascharf! Ich sage euch, hätte es dieses Wunder-Ding schon zu Zeiten des Nordirland-Konflikts gegeben, wären noch viel mehr Menschen ums Leben gekommen.
Auf zum Werkzeugkasten
Zum Einsatz kommt ein handelsüblicher Hammer mit 200 Gramm Kopf. Ein zuverlässiges Werkzeug, das schon viele Stahlnägel versenkt hat. Ich wickle den Ball in ein paar Blatt Küchenrolle ein, schließlich will (naja, muss) ich ihn noch essen. Zwei beherzte Schläge mit dem Hammer und der Ball bekommt einen Sprung. Wunderbar, jetzt kann ich mit dem Messer ansetzen und ihn aufhebeln. Ich bin gespannt, wie wohl das Innere aussehen wird, das sich mir so vehement verschlossen hat. Eine prächtige Geode kommt zum Vorschein. Für alle, die nicht Mineralogie studiert haben, Geoden sind diese kristallgefüllten Hohlkugel, die ihr am Esoterik-Stand auf jedem Tollwood kaufen könnt. Aber diese hier ist wirklich zauberhaft. Die verschmolzenen Farbschichten und das aparte Innere. Da hätte ich echt noch lange lutschen müssen, um auf klassischem Wege hierher zu gelangen. Es kommen erneut Zweifel auf, ob es sich wirklich um ein Nahrungsmittel handelt.
Time to chew
Jetzt wird gekaut. Oder besser versucht zu kauen. Die unteren Schneidezähne schmerzen. Ein Bisschen vom Kaugummi kann ich rausschaben. Lecker. Nur etwas mühsam. Dieses Teil ist der letzte Mist, wenn ihr mich fragt. Damit ich nicht heute noch zum zahnärztlichen Notdienst muss, lasse ich das jetzt auf sich beruhen und ziehe mein Fazit.
Schlussbemerkung
Der Monster Wunderball ist eine interessante Süßigkeit. Eben mal was anderes. Man braucht nur entweder vier Stunden Ausdauer beim Lutschen oder aber Hammer und Meißel, um ihn zu essen. Mancher Dentist wird sich sicher freuen, wenn er bald jedem zweiten fünfjährigen Kind künstliche Schneidezähne implantieren darf.
Und noch ein Tipp von mir: Das Monster-Teil ist kein guter Ersatz für Knoppers. Morgens halb zehn in Deutschland kann einem davon ganz schön schlecht werden.
Tschüssi,
die Chantále










