Gestrandet unterm Regenbogen
Lichtenfels?!? Wie zur Hölle bin ich hierher gekommen? Achso, ich wollte mit der Bahn fahren. Ja ja, schön blöd, ich weiß.
Der Ersatzzug kommt nicht. Draußen zieht ein ganz übles Gewitter auf und im Bahnhof hat die letzte Kneipe schon vor einer Stunde zugesperrt. Der alleingelassene, von Verspätungen und Ausfällen gebeutelte Reisende fühlt sich seltsam in Lichtenfels, wo die einzige Attraktion ein Automat für Heilsteine ist.
In seiner Not lungert er vor dem Bahnhof herum, wo das Gewitter dank ausreichender Wartezeit schon nachgelassen hat und findet einen Regenbogen. Ein ganz entzückendes Farbenspiel am Firmament, das die ganze Bahnfahrer-Odysse vergessen macht. Naja, zumindest fast. Für den Rest müssen die Heilsteine herhalten. Für nur einen Euro bekommt er sogar zwei Steine: einen gelb-weißen für Bandscheiben und einen blutroten für – es könnte kaum besser passen – Zahnfleischbluten! Mmmmhhhh... Das kann man zwar auch ohne zu bezahlen haben, aber so hat man wenigstens einen Stein dazu. „Ist es nicht großartig?“, denkt der Reisende.
Weil ihm aber immer noch furchtbar langweilig ist in Lichtenfels und er außerdem einen exzessiven Hang zur Selbstdarstellung hat, beschließt er, das Ganze für die Nachwelt auf Video festzuhalten. Nur für den Fall, dass er nie mehr aus Lichtenfels wegkommt. Wenn sie dann in hundert Jahren seine abgenagten Knochen neben dem Heilstein-Automaten finden und seiner mumifizierten Hand die Kamera entwinden, können sie das ganze grausige Schicksal der letzten Überlebenden von Lichtenfels live on tape sehen.
Einsame Bahnreisene – gestrandet im Nirgendwo, in einer scheinbaren Idylle unter dem Regenbogen, doch dieser Anschein trügt. LICHTENFELS – jetzt im Kino!
Hier der Film! Jetzt schon auf YOUTUBE!
Froh, wieder daheim zu sein,
die Chantále
=> Diese Seite per E-Mail weiterempfehlen! <=




