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Böse Menschen haben keine Lieder | 18.02.2009

Nicht nur Dieter sucht den Superstar. Einfach bei der nächsten Party Augen und Kehle offen halten...vielleicht kommt dann ja der große Durchbruch. Weiterlesen...
 

Neu am Kiosk: Informelle Zeugen | 25.01.2009

Nach dem schlagkräftigen Erfolg mit Nazipropaganda in der Serie Zeitungszeugen nun erstmalig in Deutschland: Informelle Zeugen – Original DDR-Stasiakten, ungefiltert & ungeschwärzt! Weiterlesen...
 

Gründe, warum man sich „Operation Walküre“ nicht anschauen sollte | 22.01.2009

Eigentlich gibt es nur einen: Weil Tom Cruise ein *piep*, *piep* Lumpazius ist. Dafür gibt es einige Gründe, die ich hier gerne lang und breit aufzähle. Weiterlesen...
 

Mutanten mit Format

Schwarzweiss - das waren noch Zeiten!

Die Fernsehmacher treiben Inzest – und das schon eine ganze Weile. Kein Wunder, dass nur noch Serienmutanten und verkrüppelte Unterhaltungsshows dabei herauskommen.
Jeder, der in der Schule mal Biologie hatte, weiß: Das geht nicht gut. Die Programme des deutschen Fernsehens klonen sich selbst, paaren genetisch labile Mutanten und treiben Inzest mit einer viel zu kleinen Population von Formaten. Aus jeder noch so abgegriffenen Idee werden ständig neue Unterarten gezüchtet, die für sich selbst genommen gar nicht lebensfähig sind. Ein gutes Beispiel sind die Auswanderer-Shows. Nachdem nun schon das 30. Format in dieser Richtung über die Bildschirme geflimmert ist, haben wir gelernt, dass man in Norwegen am besten Norwegisch spricht und in Neuseeland eine Art von Englisch. Und verblüffend: Man braucht auch Visa, Arbeitserlaubnis, einen Job und/oder sogar Geld. Das wussten viele Auswanderwillige leider nicht und durften sich deshalb ganz hervorragend im deutschen TV zum Affen machen. Gut für die Quote, weil: „Haha, sind die doof!“
Nun läuft die nächste künstliche Evolutionsstufe gerade auf Kabel 1: Der Auswanderer-Coach. Dieser nette Vollprofi sorgt dafür, dass die Leute nicht mehr so peinlich auf die Schnauze fallen und vor lauter Perspektivlosigkeit eine Würstchenbude in Südafrika aufmachen müssen. Und weil das eben auch nicht jedermanns Sache ist und sich der eine oder andere die glorreiche ausländische Zukunft ganz anders vorgestellt hat, gibt es zudem die Rückwanderer. Zurück in die Heimat, da war es ja doch gar nicht so schlecht. „Wir waren so enttäuscht von diesem Land!“.
Gleiches Prinzip galt ja schon für Talkshows, Quizshow, Richtershows, Casting-Shows. Dazu kommen unzählige, unsägliche Pseudo-Reallife-Dokus mit Straßenbahnkontrolleuren, Putzfrauen, Taxifahrern und natürlich Hartz-IV-Empfängern, die heute sowieso für jeden Mist herhalten müssen. Das Prekariat hat längst die Oberhand gewonnen im deutschen TV. Da sage noch mal einer, das Fernsehen bilde nicht die Realität ab. Auf einer gewissen Meta-Ebene gilt das nach wie vor. Und auch die Rückkopplung funktioniert: Als Vorbild für die jungen Zuschauergelten heute fast ausschließlich fernsehbekannte Hirnis, die weder singen noch tanzen, dafür aber ziemlich gut scheiße aussehen können. Ganz neue Berufsbilder entstehen. „Was willst du später denn mal werden?“ Casting-Showjurymitglied, glatzköpfiger Dance-Drill-Instructor, erfolgloses Topmodel, erfolgreicher Hartz-IVler, Supernanny, Auswanderercoach. Alles ist möglich!
Das Fernsehen scheint in einer Blödsinnsspirale gefangen, aus der es aus eigener Kraft nicht mehr entkommt. Die Programmverantwortlichen sind wohl schon genauso verblödet wie der Durchschnittszuschauer.
Ohne Evolution gibt es keine Fortentwicklung, und Stillstand ist der Tod. Doch sinnvoll muss die Entwicklung sein, die Arten müssen sich an die Umwelt anpassen. Die Formate müssten sich also an den Zuschauer anpassen. Und der ist bestimmt nicht so dumm, wie ihn die TV-Macher vermuten. Das ist die zunehmende Gefahr. Denn es sollen ja schon viele Arten ausgestorben sein. Vielleicht braucht das Fernsehen aber gar keine Evolution, sondern eine Revolution, einen Putsch, Radikalkur und DIE Wende. Fürs Erste sollten wir aber ein Inzestverbot fürs Fernsehen verhängen. Sonst haben wir bald noch Casting-Shows für das Vorstellen bei der Arbeitsagentur (für Wohngeld muss man es in den Recall schaffen) oder gar Die Auswanderer-Models und Das Straßenbahngericht. Zum Brainstorming treffen sich dann alle TV-Scheußlichkeiten der letzten 20 Jahre im Swingerclub und veranstalten eine wilde Orgie. Doch Moment mal, war das nicht erst? Wie hieß das gleich? Ach ja, Fernsehpreis.

Zapp,
die Chantále


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