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krempeldiekunst

Böse Menschen haben keine Lieder | 18.02.2009

Nicht nur Dieter sucht den Superstar. Einfach bei der nächsten Party Augen und Kehle offen halten...vielleicht kommt dann ja der große Durchbruch. Weiterlesen...
 

Neu am Kiosk: Informelle Zeugen | 25.01.2009

Nach dem schlagkräftigen Erfolg mit Nazipropaganda in der Serie Zeitungszeugen nun erstmalig in Deutschland: Informelle Zeugen – Original DDR-Stasiakten, ungefiltert & ungeschwärzt! Weiterlesen...
 

Gründe, warum man sich „Operation Walküre“ nicht anschauen sollte | 22.01.2009

Eigentlich gibt es nur einen: Weil Tom Cruise ein *piep*, *piep* Lumpazius ist. Dafür gibt es einige Gründe, die ich hier gerne lang und breit aufzähle. Weiterlesen...
 

Gestrandet unterm Regenbogen | 14.11.2008

Lichtenfels?!? Wie zur Hölle bin ich hierher gekommen? Achso, ich wollte mit der Bahn fahren. Ja ja, schön blöd, ich weiß. Weiterlesen...
 

Familie und Vergangenheit | 10.11.2008

Auf den Hofer Filmtagen stand dieses Jahr die Auseinandersetzung mit dem eigenen Dasein im Fokus – sowohl auf als auch vor der Leinwand. Weiterlesen...
 

Nomen est Bullshit - Psycholinguistische Deutungshoheit

Newcomer der Stunde

Was kommt euch so in den Sinne, wenn ihr "Bizarres Kino" lest? Ein Film von Schlingensief oder Rosa von Praunheim vielleicht? Was denkt ihr, wenn im Kreuzworträtsel steht: "Unterkunft in asiatischer Metropole"? Peking Pension? Shanghai Youth Hostel? Oder wie wäre es mit "Auftragsmord durch Pizza Funghi"? Das Steinpilz-Attentat? Alles falsch.

Das sind ja bekanntermaßen die Namen total angesagter Teeniebands: Cinema Bizarre, Tokio Hotel, Die Killerpilze. Aber mal im Ernst, was sollen diese Namen bedeuten? Gibt es da irgendeinen Bezug zu den Bandmitgliedern oder gar zur Musik? Naja, zumindest zu Cinema Bizarre fällt mir die Assoziation leichter. Man muss sich nur mal ein Foto ansehen oder in die Musik reinhören.
Die Debut-Single der fünf bizarren Cineasten nennt sich „Lovesongs (They kill me)“, was soviel bedeutet wie "Liebeschnulzen (bringen mich um)". Das kann ruhig als Inhaltsangabe verstanden werden. Denn die Popper mit den fantasievollen Namen Strify, Kiro, Shin, Yu und Luminor klingen wie eine Mischung aus Depeche Mode und Scissor Sisters. Also wie Partymusik für Pseudogrufties mit einem Faible für Glimmer Glam. Noch eine Prise HIM dazu, härrrlisch!

Nunja, und so ähnlich sehen die fünf auch aus. Alles in allem ziemlich metrosexuell: Viel Netz, Tüll und gestylte Haare. Die Plattenfirma (die selbe wie bei Tokio Hotel) denkt wohl, dieses Image verkauft sich gut. Allerdings kann ich noch immer nicht glauben, dass diese Wesen alle männlichen Geschlechts sein sollen. Bei dreien bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass sie eigentlich kleine Mädchen sind; oder zumindest biologisch ungewöhnlich. Das wird auch nicht besser, wenn sie Bild-Online "Neue Super-Band" nennt, die möglicherweise Tokio Hotel die Mädels ausspannt. Naja, den lesbischen vielleicht ...
Ich bin übrigens nicht der einzige, der so seine Schwierigkeiten hat beim Zuordnen der Geschlechter. Im Interview mit Bild sagte Drummer Shin: „Ich habe wegen meines Aussehens auch schon aufs Maul gekriegt. In Berlin wurden wir im Döner-Laden angemacht – von Rapper Sido. Er hat uns ziemlich abfällig gefragt, ob wir Männlein oder Weiblein seien.“ Eigentlich bin ich ungern mit Sido einer Meinung, aber die Frage an sich ist nicht ganz unberechtigt ... Er hätte ihnen ja nicht gleich die Fresse polieren müssen. Aber so sind sie eben, die Chromgesichter aus der Unterwelt.

Mit den Killerpilzen verbindet mich seit letzter Woche sogar ein gemeinsames Erlebnis. Ein Flug mit Lufthansa von München nach Berlin. Richtig spannend, seine heimlichen Idole mal im Wahren leben zu treffen. Das Ganze war so:
Boarding, ich steige ein, schiebe mich durch, Platz 15D, am Gang. Neben mir nehmen auffällige Gestalten Platz, mir kommt bereits eine düstere Ahnung. Dann wurde es mir klar: Die Killerpilze! (Ich hatte sie mal im ZDF-Fernsehgarten gesehen, als ich Sonntags bei Mama essen war.) Mir wurde ganz heiß, diese Stars ganz nah bei mir auf dem engen Raum eines Airbus A320. Oje. Aber ich wurde enttäuscht, so toll wie in meinen Träumen waren sie nicht. Man kann eigentlich nur festhalten, dass sie von Flugsicherheitsbestimmungen nichts zu halten schienen. Also, ich meine damit solche Sachen wie: Bitte schalten Sie alle elektronischen Geräte aus, stellen Sie Ihren Sitz in eine aufrechte Position und klappen Sie den Tisch hoch. Rockstars eben. Wie schön, dass das Kind in der Reihe hinter uns auch nicht mitspielte, es randalierte ständig am Sitz von diesem Killerpilz, ich taufte ihn liebevoll „Wuschel“, herum und klappte den Tisch wie epileptisch rauf und runter - wahrscheinlich ein Fan. Nach 50 Minuten in der reizenden Gesellschaft der Pilze durfte ich dann wieder in die Bedeutungslosigkeit entschwinden.

Berlin Tegel. Kaum raus aus dem Sicherheitsbereich des Gates, schon folgt die nächtste merkwürdige Begegnung: Wolfgang Schäuble rollt mir vor die Füße und kratzt sich heftig am Bein. Wahnsinn, auf Tuchfühlung mit meinem Lieblingspolitiker. Ein verdammt krasses Kontrastprogramm zur Teenieband. Erinnerte mich irgendwie an bizarres Kino. Nunja, was die Musik angeht, sind Die Killerpilze aber um Längen angenehmer und eigenständiger als die Kinogänger und die Asia-Klappbetten. Rockig, melodisch und ein bisschen Düdelü.

Summa summarum bleibt als abschließendes Fazit festzuhalten, dass Nachwuchskünstler aus dem Rock-Pop-Segment durchaus diversifiziert zu betrachten sind und eine allgemeingültige abschließende Bewertung einer eingehenderen Untersuchung auf Meta-Ebene bedarf. Die Deutung der Namen der Künstlergruppen kann nur durch Langzeitstudien mit dispers-konsekutivem Ansatz in Form von transmedialen Investigationsalgorithmen geschehen, deren Anwendung ein Höchstmaß an Sachkunde und Disziplin erfordert.
Und was heißt das nun? Scheißegal! Weiß keine Sau und interessieren tut's auch niemanden. Hauptsache laut und schwul! Deshalb hör ich jetzt auch die neue Scheibe von Gay Pig Disco an: "Love will make you fat and dirty!"

Bizarre Grüße,
die Chantále

Senf