Praxis Dr. Zombiefeld
Nirgendwo in Berlin scheint es mehr richtige Ghettos zu geben. Kein Fleckchen mehr, das so richtig abgefuckt und asozial aussieht. Zumindest nicht so klischeehaft, wie sich das Film- und Fernsehfritzen gerne wünschen.
In der ARD läuft seit einiger Zeit eine Serie, die sich „Dr. Sommerfeld“ nennt. Das soll sowas wie der Nachfolger der bekannten Serie Praxis Bülowbogen sein, mit der uns das Erste Deutsche Fernsehen ab 1987 in 107 Folgen beglückte. 1997 war dann Schluss. Wahrscheinlich hatte Günter Pfitzmann keine Lust mehr heruntergekommene Berliner Scheintote zusammenzuflicken und dabei noch familiäre Streitigkeiten zu schlichten. Sendepause.
2003 haben sie den Patienten Bülowbogen dann wiederbelebt, weil man eben alles wieder aus der Gruft holt, was mal einigermaßen erfolgreich war. Das hat natürlich den Vorteil, dass man sich nichts Neues ausdenken muss. Zombie Bülow steigt also wieder aus seinem Grab. Allerdings ohne Pfitzmann, denn der ist 2003 gestorben. Rainer Hunold zog statt seiner in den Bülowbogen. Schon merkwürdig, der alte Arzt stirbt und ein neuer übernimmt die Praxis, das ist ja schon fast realitätsnah. Zumindest realistischer als mache Folge.
Folge 212: Lebenslügen (Samstag, 1. März 2003, 18.45 Uhr)
Bei einem Einsatz wurde Marc Rönfeldt angeschossen. Sommerfeld, der die Wunde behandelt, entdeckt eine Blutgerinnungsstörung und erfährt, dass der junge Polizist große Probleme hat: Aus Versehen verletzte er seinen Kollegen bei dem Einsatz lebensgefährlich, und daheim muss er seinen sterbenden Großvater pflegen. Marc ist am Ende seiner Kräfte, als Sommerfeld ihm das schockierende Untersuchungsergebnis mitteilt.
Harter Tobak. Nun gut, um auf's eigentliche Thema zurück zu kommen. In Berlin werden die Ghettos knapp. Deswegen müssen die Fernsehfilmer auf andere Drehorte ausweichen. Zum Beispiel München Neuperlach. Hier gibt’s noch gute Old-School-Asi-Kulisse. Eines Tages fällt dann eine Horde Wichtigtuer ein, die den halben Parkplatz blockiert. Erst dachte man: Was wollen die Zigeuner hier? Lag wohl an den verranzten Wohnwagen... Oder am Verhalten? Irgendwie schien es so, als würden die den lieben Tag lang nichts anderes machen, als sich am vietnamesischen Catering-Wagen die Bäuche vollzuschlagen. Hinter den Parkplatz ließen sie dann ein paar Fahrrad-Rowdies im Kreis fahren und johlen. Stundenlang. Mehr war vom Dreh nicht zu sehen. Na hoffentlich hat sich das gelohnt. Wenn es genauso spannend ist wie die Folge „Lebenslügen“, dann werde ich mir das definitiv reinziehen. Ich steh auf surrealen Kunstfilm.
Tschüssikowski,
die Chantále




