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Prostitouristen

Zurück in die Antike: die Kollektion "Germany 2009" – Quelle: schriwo / Pixelio

Mode ist mir seit jeher ein Rätsel. Die Trends der Bekleidungsindustrie erschließen sich mir einfach nicht. Jahr für Jahr ziehen sie an mir vorüber und lassen ein ums andere Mal einen wirren Eindruck in meinem Gehirn zurück.

Immer, wenn sie im Fernsehen Models auf Laufstegen zeigen, die gerade die neue Kollektion eines Designers vorführen, kann ich diese Darbietung nur mit einem Kopfschütteln quittieren. Es ist grotesk und sinnentleert, was da gezeigt wird: Untragbar hässliche „Kleidungsstücke“ hängen an Frauen, gegen die sogar Kleiderbügel wohlgenährt aussehen, und demonstrieren nur, wie zugedröhnt der Meister beim Entwerfen war. Das ist doch keine Mode, das ist surreales, oberflächliches Theater.

Nun, das werden wohl viele Menschen so sehen. Ich finde aber auch die meisten Modetrends, die es in den Alltag schaffen, schwer verdaulich. Noch dazu wird es jedes Jahr schlimmer. Die Comebacks der Leggins, Plateauschuhe, Puffhosen, Ballonkleider, Karottenjeans und der ätzenden 70er-Muster haben meinem ästhetischen Empfinden arg zugesetzt. Und es wird nicht besser werden, denn ich weiß schon, was nächstes Jahr auf uns wartet. Güldene Gladiatorenstiefel! Oder silberne Sandaletten. Woher ich das weiß? Britinnen.

Neulich weilte ich in Hamburg und war geblendet vom Schuhwerk zweier Frauen, die die Reeperbahn entlang schlenderten. Zunächst hielt ich sie für Prostituierte, doch dafür was es erstens zu früh und zweitens unterhielten sie sich mit britischem Akzent über Sehenswürdigkeiten. Kleidungstechnisch hätte meine Vermutung allerdings gut gepasst. Extrem sparsam und an etlichen Stellen glitzernd ausgeschmückt, gaben diese Prostitourists aus Great Britain einen bitteren Vorgeschmack auf die Sommertrends „Germany 2009“. Denn alles, was in England heuer getragen wird, kommt als Restposten nächstes Jahr zu uns. Und damit auch die edlen Antik-Sandalen in Gold- und Silber-Optik.

Es wird furchtbar werden. Ich muss wohl aufrüsten und mir beim Gladiatorenhandel um die Ecke einen persönlichen Retiarius besorgen, der die grässlich besohlten Weibsbilder mit Wurfnetz und Dreizack bändigt. Wenn wir schon die Antike wieder aufleben lassen wollen, gehört etwas Brot uns Spiele schon dazu.

Morituri te salutant,
die Chantále


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Senf

3 Kommentare
#3 Der Graf schrieb am 26.09.2008 15:26

Genau DIE!!!! Sad

#2 Chantále schrieb am 25.09.2008 08:34

Eek Geflochtenes Hubba Bubba!?!?!
Wie gut, dass mir das bisher erspart geblieben ist. Oder meinst du etwa diese Dinger, die aussehen wie ne Kreuzung aus Schwimmschuhen und Holländischen Holzschuhen? Wenn ja: no comment. Neutral

#1 Der Graf schrieb am 24.09.2008 13:40

Wenn wir schon beim Thema "Mode, die keine ist" sind, dann möchte ich auch kurz das Thema "Crocs" anstreifen. Welcher Vollidiot hat diese "Freizeitschuhe" erfunden, die wie geflochtenes Hubba Bubba aussiehen? Kann sein, dass sie totaaaaaaaaaaaaal angenehm zu tragen sind..... Aber sie sind auch unglaublich häßlich! Außerdem sehen die Träger aus wie gehbehinderte Zirkuselefanten auf Speed. Nee, danke Evil