Totales TV-Abfallprodukt

- Dabei kann man auch etwas Sinnvolles mit einem Wok machen. – Quelle: Dietli / Pixelio
Wie schafft man es, eine fast vierstündige Dauerwerbesendung im Fernsehen unterzubringen, die dann knapp 2,9 Millionen Menschen anschauen? Gar nicht so schwer: Man deklariert es einfach als Total Crazy Sportereignis und sucht für jedes kleine Bauteil der Show einen eigenen Sponsor – wie gestern bei der Wok-WM 2008. Da musste sich der arme Zuschauer bei jedem einzelnen Wok anhören, dass dieser gerade durch die Merkur-Dingsbums-Schikane fährt und dann durch die Burger-King-Feuersbrunst brettert und so weiter ... Penetration im Dreiminutentakt. Der Rand der Bahn war durchgehend mit Werbetafeln zugepflastert. Zu guter Letzt hat man auch noch den Teams die Namen der Sponsoren aufgedrückt. Man sah also der Reihe nach den Mannschaften von Neckermann, Frosta, Mister+Lady, Merkur, Burger King und so weiter beim Eisbahnrunterrutschen zu. Ein super Spaß für alle konsumfreudigen Gehirnbrötchen und Stefan-Raab-Fanclub-Mitglieder. Für alle anderen war es doch eine arge Zumutung.
Natürlich ist Sponsoring bei Sportereignissen nichts Neues und in vielen Sportarten essenziell, aber diese Wettkämpfe haben normalerweise einen ernsthaften Hintergrund. Sie würden in den allermeisten Fällen wohl auch ohne Sponsoren ausgetragen werden. Wenn man aber den Eindruck bekommt, eine solche "Sportveranstaltung" werde nur aus finanziellen Gründen durchgeführt, quasi um möglichst viel Werbung in wenig Sendezeit unterzubringen, dann wird es doch sehr fragwürdig.
Die mittlerweile sechste Wok-WM ist ein gutes Beispiel für die momentane Situation im Privatfernsehen: viel Blabla für wenig Geld, gerne mal bescheuert und je anspruchsloser, desto besser. Immer schön den Zuschauer verarschen, in der Regel checkt er das eh nicht. Selbst alles ansatzweise Innovative wird so lange durchgenudelt, bis es wirklich keiner mehr anschauen will. Bei der ersten Wok-WM konnte man ja noch sagen: Was für ein sympathischer Blödsinn, da rutschen die in Chinapfannen die Eisbahn runter! Leider kamen dann noch fünf weitere Folgen, die kontinuierlich schlechter geworden sind. Für alle, die glücklicherweise etwas Anderes zu tun hatten, hier das ungeschönte Fazit: totales TV-Abfallprodukt. Werbekrebszerfressene Belanglosigkeit, die wohl kein vernünftiger Zuschauer lange vermissen würde. Das einzig Gute daran war, dass die teilnehmende B-Prominenz mal für ein paar Stunden beschäftigt war und nicht auf noch dümmere Gedanken kam – zum Beispiel das große Promi-Tierkinder-Impfen, das VIP-Wettkoksen oder die lange Promi-Karaokenacht mit Oli Geissen.
Gewonnen hat übrigens das Frosta-Team. Wahrscheinlich, weil man deren Produkte noch am ehesten im Wok zubereiten kann.
Mahlzeit,
die Chantále
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