20 Kolumnistenschweine
Dies ist der erste Satz. Der muss sitzen, wenn man den Leser in seinen Text ziehen will. Tja, das muss ich wohl noch lernen, wenn ich ein großer Kolumnist werden will. Am besten fange ich noch mal von vorne an.
Ich bewundere Kolumnisten, für das was und vor allem wie sie schreiben. Sie bringen mich zum Lachen und zum Nachdenken. Sie veröffentlichen Bücher mit ihren gesammelten Werken und machen Lesereisen. Traumhaft, das will ich auch. Leider bin ich zu schlecht. Denn in Deutschland ist vielleicht Platz für 20 erfolgreiche Kolumnisten. Das kann ich knicken, wie man so schön salopp sagt. Die Anzeichen dafür häufen sich in letzter Zeit.
Neulich hat erst jemand, der sich Holger nennt, unter einen meiner Artikel geschrieben: „Gääähn, lieber mal die Kolumne leer lassen ...“ Das hat mich in tiefe Selbstzweifel gestürzt. Weiß dieser hinterhältige anonyme User überhaupt, wie sehr mich das getroffen hat? Ich fand diesen Text so rein subjektiv gesehen nämlich super. Da kann mich nun selbst der Gedanke kaum trösten, dass subjektive Stücke, wie sie Kolumnisten hervorbringen, wohl reine Geschmackssache sind. Schwülstig ausgedrückt, verdichtet und verwebt der Kolumnist seine Gedanken und Erlebnisse zu einem intensiven aber doch leicht verdaulichen Lesestück. Er schafft es dabei, die alltäglichen und trivialen Ereignisse so ansprechend zu verpacken, dass man einfach gerne darüber liest. Oder kurz: Er lässt den Leser an seinem Leben teilhaben.
Für mich und meine Gähn-Kolumnen bedeutet das: Entweder sind meine Gedanken und Erlebnisse zu langweilig oder ich schaffe es nicht, die Leute dafür zu begeistern. Vielleicht habe ich auch die Warnzeichen überhört. Ein Freund sagte einmal zu mir: „Und dafür kriegst du Geld?“ Meine Freundin äußerte neulich gar: „Dass die das überhaupt abdrucken!“ Was soll ich denn davon halten? Das war übrigens das Stück, unter dem dann die Sache mit dem Gähnen stand. Mich überkommt so langsam das Gefühl, dass man Kolumnen schreiben gar nicht lernen kann und ich für immer so schlecht bleiben werde. Sollte ich also mein Karriereziel „Kolumnistenschwein“ aufgeben? Dabei hatte ich gerade so eine gähnend langweilige Idee: Ich wollte etwas über diesen Offenen Kanal im Fernsehen schreiben, der das Medium TV revolutioniert, indem er Bilder von keimender Gerste zeigt, während im Hintergrund der 80er-Beat von „Everlasting Love“ pumpt. Aber das ist bestimmt zu langweilig, will ja eh keiner lesen. Daran sollen sich mal schön der Martenstein oder der Jan Weiler versuchen.
Tschüssi,
die Chantále
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"Denn in Deutschland ist vielleicht Platz für 20 erfolgreiche Kolumnisten"
Na also!
Holger! Allein schon der Name! Das kann ja nix werden! So einer erkennt selbst dann keine gute Kolumne, wenn man sie ihm brennend in den Arsch schiebt. Pah!