Advent, Advent, das Modem klemmt!

- Hotspot auf den Philippinen – Quelle: Richard Rühl / Pixelio.de
Ich bin Kunde eines ganz hervorragenden Internet-Providers, nennen wir ihn 1&1. Zuhause besitze ich einen herrlichen DSL-Anschluss mit Flatrate und allem Drum und Dran. Funktioniert auch immer prima. Leider werde ich bald aus adventlichen Gründen für einige Zeit von meinem geliebten DSL-Zugang getrennt sein. Ich werde dann an einem Ort residieren, der DSL und UMTS nur vom Hörensagen kennt und bestenfalls Modems als Einwahlmethode zur Verfügung stellt.
Nachdem dies aber vollkommen indiskutabel ist – ich warte doch nicht fünf Minuten, bis sich meine Webmail-Seite endlich öffnet! – suchte ich nach einer Alternative. Die ausgesprochen umfangreiche Hilfe-Seite meines Providers teilte mir auch nach einigem Stöbern mit, dass es so etwas wie 1&1 Hotspots gibt, in die sich der Kunde mit seinen Zugangsdaten einwählt und sogar die ersten 100 Minuten umsonst kabellos surft. Auf der Terrasse, im Café e-t-c. Da hätte doch ein Trip in die nächstgrößere Stadt die Entzugserscheinungen lindern können. Bei einem Kaffee am zweiten Weihnachtstag im Netz surfen und die Milzwurst-Seite updaten. Das klang wunderbar.
Es soll eine Liste dieser Hotspots geben, sagte das Hilfe-Center. Klicken Sie hier und dann hier und hier. Soso ... Den zweiten angegebenen Link gab's schon nicht mehr. Genauso wenig wie eine Such-Funktion. Haben die womöglich etwas zu verbergen? Nein, kann doch nicht sein. So was ähnliches wie eine Suche hab ich dann doch noch auf der Startseite entdeckt, links unten zusammengekauert unter der Navigation. Aha, sie kennt auch Hotspots, endlich zwei Klicks später geht ein PDF auf mit einer Liste der Standorte. Scroll, scroll, scroll... Moment mal. Das Dokument hat 45 Seiten, die ersten 26 sind nur Standorte in Belgien. Dann kommen neun Einträge für Deutschland, einmal Berlin, fünfmal Dortmund, dreimal Hannover.
Die Pressemitteilung, die in der Suche ebenfalls auftauchte, sprach von „Deutschlandweite Hotspots von 1&1 – ... macht den DSL-Zugang kabellos mobil – Preiswertes Highspeed-Internet für unterwegs..." Deutschlandweite Hotspots sehen für mich anders aus. Landesweit ist das bestenfalls für Belgien, Finnland (sie sind sogar im „Hesburger Porvoo kauppakeskus Lundi“), Litauen, Luxemburg und die Philippinen. Warum zur Hölle denn die Philippinen? Sechs Seiten Philippinen und 0,2 Seiten Deutschland? Leider fahre ich weder nach Berlin, noch nach Dortmund, und schon gar nicht nach Hannover. Philippinen wär zwar nett, aber ich jette doch nicht wegen eines WLAN-Hotspots ans andere Ende der Welt... außerdem ist's da mit der Weihnachtsstimmung nicht so weit her. Wieder ein Wunsch, der nicht in Erfüllung gehen will. Ich höre schon, wie mir das gute alte Modem ein digitales Weihnachtslied singt. Passwortüberprüfung ... .. . erfolgreich!
Behäbig lädt der Virenscanner sein Update, Skype verbindet sich in Slow Motion und die Startseite macht einen auf Mosaik 2.0. Während sich der Ladebalken des E-Mail-Clients so flink bewegt wie ein Eiszapfen – jemand hat wohl ein Foto geschickt – kann man super zur Ruhe kommen und die Stimmung genießen. Einen Tee bei Kerzenschein, dazu Nüsse, Plätzchen, Mandarinen. Das Einzige, was mich dabei stört: Ich als Flatrate-Kunde muss 1,23 Cent pro Minute extra zahlen.
Frohe Weihnachten!
die Chantále



