milzwurst deluxe

Tipps für das perfekte Bustour-Erlebnis

Für alle Interessierten an dieser Bustour: Die Linie 5 von Regensburg Haltestelle "Albertsraße" Richtung Wörth a.d.Donau nehmen. Am besten die letzte Tour Freitag nacht. Wer auf Nervenkitzel steht, erst an der Haltestelle "Dachauplatz" zusteigen...ab hier wird's richtig spannend! Auskünfte zu Fahrplänen unter www.rvv.de

Anarchie im Linienbus

Mehrere Mittelfinger hüpfen vor dem Fenster des Linienbusses auf und ab und pieksen Löcher in die Luft. Eine Hand klatscht mit dumpfem Knall gegen die Scheibe. Ihr fettiger Abdruck – ein Mahnmal für alle draußen gebliebenen. „Das ist jeden zweiten Freitag so…“ Der etwa 16-jährige Kurt-Cobain-Verschnitt rollt die Augen und sinkt in seinen Sitz zurück.

 23.40 Uhr: Freitagnacht, irgendwo in der Oberpfalz. Der letzte Bus verlässt zischend die Haltestelle und wälzt sich aus der Stadt in die umliegenden Ortschaften. Das Durchschnittsalter der Fahrgäste liegt zwischen 14 und 17 Jahren. Die Luft ist stickig, ungefähr 100 Leiber drängen sich aneinander. Ebenso viele stehen noch an der Haltestelle und krakeelen dem Bus hinterher.

 23.51 Uhr: Gleich beim Fahrer vorne schwankt ein goldbehängter Teenager, ganz in weiß: T-Shirt, Hose und Gesicht. Seine rechte Hand umklammert die Haltestange, der Kopf hängt nach unten und pendelt im Stop-and-go-Rhythmus von links nach rechts und umgekehrt. Ab und zu hebt er sein Gesicht und grinst. Hoffentlich hält er durch.

 00.04 Uhr: Mittlerweile ist die Luft zum Schneiden dick. Plötzlich schlängeln sich Rauchschwaden zwischen den Köpfen der Fahrgäste hindurch. Feuerzeuge blitzen und orangefarbene Glühwürmchen tanzen in der letzten Reihe. Ein etwa 40-jähriges Walross hebt die Nase und schnaubt. „Kreizkruzefix noamal! Muaß des sei, kruzefix!“ Eine Zigarettenlänge später hat das Walross sich wieder beruhigt. Bringt ja sowieso nichts.

 00.23 Uhr: Großes Gerangel an der Haltestelle. Die Menschenmenge wogt. Es dauert ein paar Minuten, bis der Türschlund die letzten Aussteiger ausgespuckt hat. Die Hydraulik faucht wie ein feuerspeiender Drache, die Bustür ist noch immer offen. „Halt! Stop! Da liegt noch einer!“ Wie, da liegt einer? Besoffen? Bewusstlos? Angefahren?? Tot???? Geraune an der hinteren Bustür. Dann lacht einer. „Ok, geht wieder! Weiterfahren!!“

 00.27 Uhr: Halbstarken-Gerangel in der dritten Reihe. Der Busfahrer, bisher erstaunlich ruhig, bricht sein Schweigen. „Bei die nächste Haltestelle geht ihr raus!“ Gejohle antwortet ihm. Die nächste Haltestelle kommt, nichts passiert: Der Motor brummt, der Bus steht. Eine  Minute. Böse Busfahrer-Blicke blitzen im Rückspiegel: „Ich warte.“ Die Raufbolde murmeln. Einer steht auf und springt aus der offenen Tür: „Servus miteinand!“

 00.41 Uhr: Die letzten Fahrgäste verlassen den Bus.

 
Euer "i survived the crazy bus"- Ewil

Kommentare

1 Kommentar
#1 Pater Peter Prattl schrieb am 16.07.2007 19:06

Ein Fahrschein bitte! 10er-Karte kost acht Mark. Bittschön. Ganz nach hinten durchgehen bitte. Haltewunsch anzeigen.