„Damit es alle hören!“
Ein Gerstenkorn ist etwas Nerviges. Vor allem, wenn man es schon seit ein paar Monaten mit sich herumträgt und es immer wieder Mal so ein bisschen rot wird und reibt und dann wieder besser wird und dann wieder dick und rot und dann wieder naja ihr wisst schon... Es nervt. Dann kommt die Freundin und sagt: “Lass dir das blöde Ding endlich mal rausschneiden!” Dabei war ich schon beim Augenarzt, der hat mir nur Salbe gegeben. Das half zwar, doch nach ein paar Wochen war es wieder dick. „Du gehst heut zum Arzt!“, sagt sie in einem Ton, der keinen Raum für Widerspruch lässt. Ok.
Ich sitze im Wartezimmer und suche nach einer Zeitschrift von der man nicht so schnell Brechreiz bekommt. Der Stern, ja das geht. Eine Kolumne über das schreckliche Fernsehprogramm. Das will ich lesen. Doch irgendetwas stört meine Konzentration. Außer mir und dem Zeitschriftenstapel ist noch ein Ehepaar anwesend. Und sie machen einen auf extrovertiert. Das, was mich da vom lesen abhält, könnte man als die amüsante Vorstufe eines handfesten Streits einordnen. Ein Mix aus Sticheleien und gegenseitigem Nicht-Zuhören in dessen Endphase das Meissner Porzellan dann Flügel bekommt.
„Sowas wie gestern, das brauch ich einfach nicht mehr“, sagt die Frau. „Das Leben ist zu kurz für solche Tage!“ Er grummelt: „Wieso? Was war denn nun wieder so schrecklich?“ Sie: „Ach, ich bin das leid, das brauch ich nicht mehr, sowas.“ Er murmelt etwas von „später ausdiskutieren“.
Ach ja, stimmt! Ich bin ja auch noch da. Mittlerweile hab ich die vierte Zeile der Kolumne 30 Mal gelesen. „Jetzt willst du wieder nicht reden, weil wir unter Leuten sind. Später brüllst du wieder!“ Aber hallo, unter Leuten? Meint die mich? Oder den Zeitschriftenständer? Ich fühle mich langsam als Druckmittel missbraucht und überlege, was ich wohl zur Diskussion beitragen könnte.
In einem Ton, wie ihn nur Frauen anschlagen können, sagt sie: „Oooch ist ja süß, jetzt flüsterst du. Brüll doch mal, damit es alle hören!“
Wegen sowas haben sich im ländlichen Oberbayern bestimmt schon die ein oder anderen Wurstfinger um einen zärtlichen Fauenhals gelegt. Das steht dann wieder in der Bildzeitung. „Der Würger von Wolfratshausen!“ Im Wartezimmer kommt es nicht so weit. „Ich brülle nicht“, sagt er ruhig“ „Dann kannst du schon mal heim fahren“, schlägt sie vor. „Quatsch!“ - „Dann geh spazieren.“ - „Nein.“
„Frau Schrader bitte!“ Gott sei dank, meine Rettung. Jetzt kann ich endlich in Ruhe warten. Pustekuchen, zehn Sekunden später werde auch ich aufgerufen und muss vor dem Behandlungszimmer neben der zickigen Alten Platz nehmen. Sie will reden. Sie hatte auch mal ein Korn im Auge. Da hatte sie im Garten mit den Katzen gespielt, als es passiert ist. Sie tut mir schlagartig Leid. Mein Gerstenkorn schmerzt. „Jaja, das ist unangenehm...“ Ich muss hier raus! Endlich darf ich rein zum Arzt. Der Herr Doktor hat einen Händedruck wie ein rohes Schnitzel. Dann krempelt er mein Augenlid um und sagt: „Salbe drauf schmieren.“ - „Hatten wir schon, hat nicht geholfen. Wie wär's mit aufschneiden?“ - „Noch nicht, hier ist das Rezept.“ - „Super, danke.“ Am Ausgang sehe ich Frau Schrader wieder. Sie wünscht mir alles Gute für mein Auge. Ich sage artig Danke und mache, dass ich rauskomme. Es regnet, mein Gerstenkorn und ich gehen nach Hause. Das war mal wieder ein lehrreiches Erlebnis in Sachen Beziehungen. Wie gut, dass meine Freundin nicht so'n Drachen ist. Obwohl? Was wird sie sagen, wenn ich das Gerstenkorn wieder mit nach Hause bringe? Oh nein, das wird bestimmt furchtbar...
Tschüssi,
die Chantále





Ja, ganz genau so hab ich das gemacht. 2,5 Tage lang. Hat nischt jeholfen, wa?
versteh ich gar nicht....
Wie oft hast das denn gemacht??? einmal, wa????
Du musst das Zeugs auf einen feucht-warm (igitt, das klingt gut) Umschlag geben und das auf dem auge liegen lassen... und das jeeeeeeden Tag wiederholen!!!
Liebe Chantále, sehr geehrtes Gerstenkorn,
kauft euch bitte einen Liter Branntwein und dazu Maria Treben Schwedenbitter-Kräuter-Ansatz.
Dies hat Tote schon auferstehen lassen. Und stark dosiert hilfts auch gegen grumpy Ehefrauen.
Freundlich grüßt die
Wurstfachverkäuferin.
Hahaha!
Diese Schwedenbitterscheiße hab ich mir schon gekauft und mein Auge damit beträufelt! Das hat gar nicht geholfen. Außer dass es höllisch gebrannt hat. Dann hab ich nen Schluck getrunken, dachte es hilft vielleicht von innen. Schlecht ist mir geworden, sonst nix.
So viel zu diesem Thema!
Vielen Dank. Gästebücher sind normalerweise immer voll mit scheiße, weil irgendwelche Penner nur ihre Links reinsetzen und denken, das klickt dann jemand an... Macht aber keiner, wenn's überhaupt einer anschaut. Aber eine Überlegung ist es natürlich wert, nich? Vielleicht gibt's bald auch ein Gästebuch.
Fleischbeschau? Nunja, die Grausamkeit der Natur ist uns eben nicht verborgen geblieben. Außerdem habe ich mit dem Tod des Tieres nichts zu tun. Es sah schon so aus, als ich angekommen bin. Ich schwöre! Ich war nur außenstehender Beobachter.
Für Vegetarier kann ich nichts. Ich wusste auch nicht dass das soweit geht, dass Vegetarier sogar schon Bilder von Fleisch verweigern! Ich werde für mehr Gemüsebilder sorgen!
Bis bald, Chantále
Herzliches Beileid zum Gerstenkorm. Ärgerlich. Jetz will ich mal den Kommentar hier zu einem allgemeinen Kommentar zur Seite nutzen
. Schön viel Inhalt habt ihr. Is ja bei privaten Homepages nich immer so. Man hat richtig was zu tun, um bissl was zu lesen. Und streitbar ist der Inhalt auch noch
. Verzichtet ihr auf interaktive Elemente wie Gästebuch etc. freiwillig. In sowas hätte dieser Kommentar hier eigentlich gestanden. Wer erklärt mir Fleischbeschau? Dürfen Vegetarier eigentlivh auch auf eure Seite?