Das Land der "flotten buketter"
Eine Familie im Park: Oma, Opa, Mama, Papa, Kleinkind, Baby. Ein Picknick im Grünen, Campingstühle, Federball, Plastikbecher, Decken. Und mittendrin, in einem eigens dafür gedachten Holzgestell: die Nationalflagge. Nein, diese Szene spielt nicht etwa in Amerika. Schauplatz des lässig präsentierten Nationalstolzes ist Kopenhagen. Dänemark.
Der Zufall führte mich in das Land der tausend Gummibär-Sorten. Ich erwartete nichts. Außer Regen. Schon gar keine im permanenten Wind flatternden Landesbanner. Und Ostjütland – klingt doch irgendwie nach Rentnerurlaub und plärrenden Kleinkindern. Oder?
Furzende Nachbarn
Eine Ferienwohnung, 20 km von der nächsten größeren Ortschaft entfernt, sollte Ruhe und Erholung spenden. In nur 100 Metern Entfernung schmiss das Meer seine Wellen auf den Sand. Friedlich und beschaulich. Wie aus dem Bilderbuch. Die erste Überraschung wohnte im Gartenhaus. Auf der Suche nach dem Grill flog uns plötzlich ein Wespennest um die Ohren. Eine schnelle Flucht verhinderte Schlimmeres. Die Stechtiere beruhigten sich und eine Stunde später konnten wir den Grill aus der Gefahrenzone bergen.
Doch die zweite Überraschung lauerte schon. Unsere nachbarn, zwei Dänen-Pärchen undefinierbaren Alters, die wir durch den mannshohen Holzzaun nicht sehen konnten. Nur hören. Eins mit der Natur, allen Zwängen der Gesellschaft fern, ließen sie den gärenden Gasen ihres Körpers vorne und hinten freien Lauf: „Pfrrrrrrrrrrrrrrrrrrrt. Boäääaaap.“ Am Kaffetisch, am Abendbrottisch, beim gemütlichen Zusammensein und als lautmalerische Unterstreichung mitten im Gespräch: „Pfrrrrrrrrrrrrrrrrrt. Boäääaaap.“ Gott sei Dank stand der Wind günstig. Und ich hatte Oropax eingepackt.
Poplige Betten
Das nächste Highlight war die Jugendherberge in Kopenhagen. Im Reiseführer als das „nobelste Hostel ever“ beschrieben. Eingerichtet von einem dänischen Designer. Und Wochen vorher ausgebucht. Ich hätte eigentlich stutzig werden müssen, als das mit der kurzfristigen Buchung überhaupt kein Problem war. Denn – das mit dem Designer war zwar wahr. Bremsspuren in der Kloschüssel sind aber alles andere als nobel. Und in meinem Bett, auf dem Matratzenschoner, trohnte neben diversen Schamhaaren ein leicht angegrauter, petrolfarbener Nasenpopel. Ich hatte keine Wahl: auf den Chipsbröseln und noch mehr Schamhaaren am Boden schlafen, oder den Popel entfernen. Ich entschied mich für letzteres. Mit einem dreifachgefalteten Klopapier und leichtem Brechreiz griff ich mir das üble Ding und warf es ins Klo. Ein letztes Kreiseln – und mit einem Gurgeln verschluckte das dänische Klosett Papier samt Popel.
Model-Attacke
Der nächste Schock überfiel mich beim Spaziergang durch die Stadt. Offensichtlich verdient der Großteil der Kopenhagener Bevölkerung ihr Geld mit Modeln. Frauen, Männer, selbst die Kinder sahen aus, als kämen sie gerade vom Foto-Shooting. Es war mitunter deprimierend, aber leider Realität. Die fast schon unheimliche Menge an attraktiven Geschöpfen lässt einen Durchschnittseuropäer nämlich nur eines denken: „Ich bin ein deformierter Wurm.“ Kein Wunder, dass sich die Touristen an die Küsten mit den einsamen Ferienhäusern verziehen.
Das Fazit
Ewils Tipps für Dänemark-Reisen:
- Viel Geld mitnehmen (hat irgendjemand irgendwo schon einmal neun Euro für einen halben Liter Bier bezahlt??)
- Noch mehr Geld mitnehmen (Gummibären-Frustessen: eine Tüte ca. drei Euro, exzessives Shopping) und
- einen Sprachführer, um die lustigen Wörter auf den Straßenschildern zu entziffern (heißt flotte buketter wirklich schicke Blumensträuße, ist ein knallert tatsächlich ein mofa und ein sandorm, tja, was wohl, ein Sandwurm?)
Bevor hier jetzt aber ein falscher Eindruck entsteht: Ich fands super da!!
In diesem Sinne
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Wo ist die Internet-Ekel-Zensur wenn man sie mal braucht?
Dödel.
Sehr schön, wirklich.