Der traumhafte Elektro-Franz
Es ist aus. Unter lautem Gurgeln und ein bisschen Gestank hat unser Staubsauger das Zeitliche gesegnet. Obwohl das scheinbar kein großes Drama ist, geht dieses Ereignis doch mit der unangenehmen Notwendigkeit einher, einen Neuen besorgen zu müssen. Allerdings gebe ich sehr ungern Geld für solche Dinge aus. Mit „solche Dinge“ meine ich zum Beispiel Haushaltsgeräte. Wobei, nicht generell: Für Geräte, die mir unliebsame Arbeit abnehmen, zahle ich gern. Ich war zum Beispiel sofort bereit, für eine Geschirrspülmaschine eine nicht unerhebliche Summe Geld aufzuwenden, weil mir diese eine der meistgehassten Tätigkeiten abnimmt. Aber ein Staubsauger macht im Prinzip nur Arbeit. Die Anwesenheit eines solchen Geräts führt nur unweigerlich zur Benutzung desselben – und zu Blut, Schweiß und Tränen bei mir. Auch von dieser Warte aus betrachtet ist es also gar nicht so schlimm, dass der Staubsauger nun hinüber ist. Doch ich wohne ja nicht alleine hier.
Wie ein altes Ehepaar diskutieren wir derlei elementare Themen mittlerweile abends im Bett. Sinngemäß entstand folgende Unterhaltung: „Wir müssen einen neuen Staubsauger kaufen“, erinnerte mich Melanie. „Hmmm...“, brummte ich, „müssen wir wohl.“ Sie: „Ganz schön blöd, dass der jetzt kaputt ist.“ „Schon“, nahm ich den zu früh verstorbenen Sauger fast ein bisschen in Schutz, „aber der hat immerhin zwei Jahre gehalten.“ „Eigentlich sollte so was ein ganzes Leben lang halten“, warf sie ein. Ich entgegnete, dass man das für 21,50 Euro vielleicht nicht erwarten könnte. Mit einem Rest Stolz ergänzte ich: „Dabei war das ein wunderbares Gerät. Und so billig.“ Denn wie bereits erwähnt, gebe ich nicht so gern Geld für solche Dinge aus. Das war auch schon vor zwei Jahren so, als ich im Internet den allerbilligsten Staubsauger bestellt hatte – und zwar dort, wo man ihn zum Elektrogeschäft um die Ecke liefern lassen konnte, um die Versandkosten zu sparen. Dank des globalisierenden Turbokapitalismus muss man heute für einen Staubsauger nicht mehr als 21,50 ausgeben. Leider hatte der globale Wirtschaftskreislauf nicht dafür gesorgt, dass man hierzulande auch passende Beutel für den koreanischen Staubsauger bekommt. Wir mussten also immer mit der Schere die überstehenden Teile von den unpassenden Beuteln abschneiden. Auch das verstärkte nicht gerade die Freude am saugen.
„Dieses Mal kaufen wir einen, der doppelt so teuer ist. Der hält dann auch doppelt so lange“, schlug Melanie vor. Obwohl ich da prinzipiell eher nicht zustimmen würde, weil nach dieser Rechnung die Staubsauger von Vorwerk eine längere Halbwertszeit als Plutonium besitzen müssten, bin ich dennoch bereit, 43 Euro für einen neuen Staubsauger auszugeben. Schon um des lieben Friedens willen. Die linke Betthälfte hatte aber noch mehr Vorschläge: „Und wir kaufen einen, der zu den Beuteln passt, die wir schon haben!“ Mir gefällt ihre gelegentlich so pragmatische Art. Ich weiß zwar nicht, ob das schon mal jemand so gemacht hat, aber ich stelle es mir doch sehr unterhaltsam vor, wenn wir in ein Fachgeschäft für Haushaltsgeräte gehen und dem Verkäufer unser Anliegen vortragen: „Guten Tag, wir möchten einen Staubsauger kaufen. Er muss zu diesen Beuteln hier passen und darf keinesfalls mehr als 43 Euro kosten. Können Sie uns unter diesen Voraussetzungen garantieren, dass er mindestens 4 Jahre halten wird?“ Vor meinem geistigen Auge starrt mich ein teilnahmsloser Verkäufer aus blutunterlaufenden Augen an, auf seinem Namensschild steht Elektro-Franz. Er hat ein blaues Hemd an und aus seinem halb geöffneten Mund kommen die gleichen gurgelnden Geräusche, die auch der kaputte Staubsauger gemacht hat. Es riecht nach durchgeschmorten Spulen. Dann klingelt der Wecker.
Man sollte solche Dinge vielleicht doch nicht vor dem Einschlafen diskutieren. Fachgeschäft, tsss. So ein wirres Zeug. Ich schau lieber erst mal im Internet, wie sich die Finanzkrise auf die aktuellen Staubsaugerpreise ausgewirkt hat.
Tschüssi,
die Chantále
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