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Meer, Wellen, Brandung!

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Herr Gerster und das All | 02.05.2008

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Fucking Tourists!

Höllending

Es ist schon ein sehr merkwürdiges Gefühl, wenn einem Jugendliche auf einer Busrundfahrt hinterherbrüllen: „Fucking Tourists!“ Doch im Nachhinein betrachtet war das noch das Ehrlichste auf dieser höllischen Fahrt kreuz und quer über die sonnenverkohlte Mittelmeerinsel Malta.

Natürlich war uns klar, dass man so eine Sightseeingtour nie und nimmer mitmachen sollte, weil es unendlich peinlich ist, man ständig abgezockt wird und man schließlich mit einem unsäglichen Sonnen- und Hirnbrand zurückkehrt. Aber Malta ist sehr klein und die Alternativen sind schnell abgezählt. Und wer hätte denn ahnen können, dass sich das Ganze zum ultimativen Fremdschäm-Spektakel entwickeln würde.

Mal davon abgesehen, dass es sicher nicht jedermanns Sache ist, oben auf einem bunten Doppeldecker von der Sonne gebraten, von garstigen Sträuchern zerkratzt und von schlecht gelaunten Einheimischen beschimpft zu werden, kann einem dieses stetige Bus-Rodeo über die holprigen Pisten der Insel ziemlich zusetzen. Genau wie die glühend heißen Kunstledersitze, die einem nach jeder Rückkehr von den „Attraktionen“ den Allerwertesten verbrennen. Als ob man von den Sehenswürdigkeiten selbst nicht schon mehr als genug geschädigt wäre.

Etwa durch die ultimative Touristenfalle „Montekristo Estate“, einer halbfertigen Baustelle in Flughafennähe und Null Tradition, die den Besuchern als historische Stätte verkauft wird. Dort kann man die mystischen Geheimnisse des Ortes in einer „animierten“ Führung erleben, welche die Touris mit Kleinkindpädagogik und Theater für Zurückgebliebene konfrontiert. Dazu wurden wir erst einmal in schwarze Umhänge gehüllt, in denen wir uns bei über 30 Grad in der prallen Sonne die Seele aus dem Leib schwitzten. Nur um mitzuerleben, wie mit Kanonen über den Weinberg gefeuert wird, damit ein türkischer „Geist“ namens Ali auferweckt wird. Dieser halbnackte Irre, der aussieht wie ein vorbildlicher Dönerbudenbesitzer, rannte auf die Gruppe zu und brüllte ständig „I kill you!, I kill you!“ Wie gut, dass er von einem zufällig anwesenden Tempelritter niedergestreckt wurde. Natürlich nicht, ohne wieder aufzuerstehen und uns noch weitere dreimal zu belästigen: so unter anderem mit einer schlechten Wilhelm-Tell-Parodie mit Pfeil und Bogen, einem Crashkurs im Weinpanschen, für den eine angeödete russische Touristin gequält wurde, und als hundertjähriger Klavierspieler verkleidet, der plötzlich „Buh“ ruft und lachend davonrennt. Warum auch immer. Und das alles für nur 12 Euro, in denen auch ein ebenso reichhaltiges wie ekelerregendes Buffet mit lokalen Spezialitäten inbegriffen war. Diese sind allerdings schwer zu beschreiben, weil es für manche menschlichen Laute der Abscheu einfach keine Worte gibt. Aber eines ist sicher: Die Kochkunst war so ziemlich auf dem gleichen Niveau wie das schauspielerische Talent von Ali und Co. Da musste man sich bei dem anschließenden erneuten Geschaukel im Bus schon ziemlich beherrschen, um nach dem Buffet nicht von oben aus dem Doppeldecker zu brechen.

Man wäre vielleicht gut beraten gewesen, wenn man es wie zuvor bei dem 7 Euro teuren megalithischen Steintempel gemacht hätte und dem Vorschlag des Guides gefolgt wäre: „If you don't want to see the stones, you can sit down in the shade and wait.“ Ja, Schatten kann so schön sein.

Nun gut, das kann nicht schlimmer kommen, dachte man und freute sich auf die idyllisch klingende „Blaue Grotte“. Die erreicht man natürlich nur mit noch mehr Geschaukel – diesmal in kleinen Motorbooten, die einen im Rekordtempo durch die Wasserhöhlen schippern. Die Kommentare des Nussschalenkapitäns zu diesem Naturwunder beschränkten sich aufgrund der knappen Zeit daher auch auf die Angabe der Wassertiefe in der jeweiligen Höhle und die Ergänzung, dass das Wasser blau ist, was der Grotte ihren Namen gibt. Was aber nicht erwähnt wurde, weil so schön am eigenen Leib zu erfahren: Man kann in den Grotten auch prima von Fledermäusen vollgeschissen werden. Guano-Grotte: 7 Euro.

Und die Peinlichkeit nahm einfach kein Ende: Kaum der Grotte entkommen war man dem spaßig gemeinten Versuch eines Einheimischen ausgeliefert, einem sein neu erworbenes Badetuch mit dem Kadaver eines 3 Tonnen schweren Hais zu klauen – nur um es dann mit den Worten zurückzugeben: „Ah, du Germany. Wumbaba! Wumdaba!“ Sogleich folgte er uns auf das Oberdeck des Buses, wo er über das Funkmikrofon des Reiseleiters „And I swear! Dubidu, o yeah!“ über den ganzen Parkplatz quäkte. Das gehörte wohl auch zum speziellen Unterhaltungsprogramm für Deutsche.

Noch einmal den Hintern auf den Sitzen versengen und einen Abstecher ins „pittoreske Fischerdorf“ Marsaxlokk wagen, welches man in etwa wie „Mars-Arschloch“ ausspricht. Da kann man auf dem örtlichen Ramschmarkt nämlich prima geschmacklose Souvenirs kaufen.

Nach neun Stunden Bus-Rodeo über Stock und Stein und mit einem Niveau weit unterhalb des Meeresspiegels ist man sich sicher: Die Einheimischen hatten recht. Fucking Tourists – selber schuld!

Tschüssi,
die Chantále


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2 Kommentare
#2 Chantále schrieb am 13.10.2009 17:04

Du hast Recht, wir waren faul. Schande. Hoffentlich wird das mal wieder besser... Cry

#1 Chris schrieb am 13.10.2009 10:53

Wann geht es denn hier mal wieder weiter?