Ich war Teil einer Untergrundbewegung
Im Erdkundeunterricht wurde uns immer erzählt, Tropfsteine seien ein faszinierendes geologisches Phänomen – es wartet Jahrhunderte lang verborgen im Untergrund auf seine Entdeckung. Das war mal echt spannend in der siebten Klasse.
Die Faszination konnte man dann auch irgendwann selbst erleben, als man mit der ganzen Klasse zu einer Exkursion in eine Tropfsteinhöhle fuhr. Da lief man dann stundenlang durch eine dunkle, miefige Höhle und suchte nach Stalagmiten und Stalagtiten. (Und schließlich auch nach dem Ausgang) Aber dennoch war das ein sehr lehrreicher Ausflug. Denn wie der etwas notgeile Lehrer den Jungs erklärte, könne man sich ja ganz einfach merken, welche Tropfsteine nun wie heißen: „die, die hängen, sind Stalag-Tit(t)en! Hahahaaarrrh...!“ Das prägt sich natürlich ein – noch heute kann man damit vor allem Frauen tief beeindrucken. Gemerkt habe ich mir auch, dass es angeblich Jahre, gar Jahrzehnte, dauert, bis so ein Tropfstein so prächtig gewachsen ist. Und: dass dafür ein spezielles Klima notwendig ist.
Welche Rückschlüsse kann man nun für die Münchner U-Bahn ziehen, wenn man sich das nebenstehende Bild ansieht? Aufgenommen an der Haltestelle Fraunhoferstraße. Seit wann ist diese U-Bahn-Station bitte schon undicht, wenn da Tropfsteine wachsen? Muss ich mir Sorgen machen? Wahrscheinlich nicht. Der Stein ist bestimmt auch nicht älter, als diese historischen Bahnen, die da durch die Tunnel rumpeln. Trotzdem sollte die MVG das Phänomen untersuchen und gegebenenfalls eine Fahrpreiserhöhung durchsetzen; weil man ja nun beim Warten auf die Bahn auch noch Erdkundeunterricht erhält.
Ich sehe schon die Prospekte: „Vieles ist noch unbekannt über das faszinierende Phänomen U-Bahn, das Jahrzehnte lang verborgen im Untergrund auf seine Entdeckung wartet.“ Da können die Schulkinder Münchens jetzt eine Exkursion machen – ist auch nicht so weit, wie bis zur Tropfsteinhöhle.
Ich würde mich sogleich als Guide anbieten und den Kinderchen etwas mehr Bildung vermitteln: „Schaut mal Kinder, das ist ein Stalagtit! Wisst ihr, warum der so heißt...?
Tschüssi,
die Chantále



