MVG. Ein Drama in sechs Akten
1. Akt: Die Straftat
Seit dem 2. November 2006 kaufe ich jeden Monat eine Fahrkarte der MVG. Da ich Volontärin bin, darf ich zum Ausbildungstarif fahren. Jeden Monat gebe ich 30 Euro und 10 Cent aus, um guten Gewissens U-, S- und Tram-Bahn zu nutzen. 17 mal 30,10 Euro, also 511, 70 Euro insgesamt. Letzten Dienstag, auf dem Heimweg von der Arbeit, genauer gesagt um 18.15 Uhr, ist es dann passiert: „Die Fahrscheine bitte!“ Automatisch krame ich meinen mit durchsichtigem Plastik ummantelten Ausweis aus dem Geldbeutel und halte ihn vor die Kontrolleurs-Nase. Die ist nicht zufrieden damit und schnaube nur: „Den neuen bitte!“ Den neuen?? Und plötzlich fällt es mir wieder ein. Heute ist erster April und ich hatte vergessen, die neue Monatskarte zu besorgen. „Hören Sie…“, versuche ich die Lage zu retten, „es ist…“ „40 Euro, junge Dame, Name, Adresse, eingestiegen, wo fahren Sie hin?“ Ergeben senke ich die Augen. Nun gut, mit Kontrolleuren ist nicht schließlich nicht zu spaßen, denke ich. Immer schön kooperativ bleiben, dann lassen sie auch mit sich reden. Brav purzeln also die gewünschten Informationen aus meinem Mund und eine Minute später halte ich eine sogenannte „Kontrollbeanstandung“ in der Hand. „Hören sie“, beginne ich noch einmal, „ich habe ganz einfach vergessen, dass heute der Erste ist.“ Und um meine Unschuld zu beteuern, friemle ich die Karten der vergangenen sechs Monate aus dem Folienfach meines Ausweises. „Sehen Sie…“ Mit einem Lächeln, das wohl entschuldigend wirken soll, zuckt Mr. Kontrolle mit den Schultern. „Dafür bin ich nicht zuständig.“ Und weg ist er. Verdammt. Verdammt, verdammt.
2. Akt: Auf dem Amt
Fein säuberlich habe ich gestern die Monatskarten von Januar 2007 bis März 2008 auf unschuldig weißes Papier geklebt. Ordentlich soll es aussehen, schließlich will ich einen guten Eindruck machen. Derart bewaffnet fahre ich (diesmal mit gültiger, neuer Monatskarte April) in die Poccistraße. Mein Ziel: der erste Stock der MVG-Zentrale. Der trostlos-graue Linoleum-Flur macht miese Stimmung. Nicht nur mir, wie es scheint. „Sie hören von meinem Anwalt!“, schallt es mir entgegen. Ein Mann in rostbraunen Cord-Hosen steht vor dem Schalter und fuchtelt mit seinem Regenschirm in der Luft herum. Gut, dass er und die MVG-Frau durch eine Glasscheibe getrennt sind. Der Mann spuckt noch eine ganze Weile Wörter gegen die Glassscheibe. Und plötzlich wird er ruhig. „Glauben Sie an Übersinnliches?“ Die MVG-Frau, sichtlich genervt, seufzt. „An Ihrer Stelle würde ich mich in Acht nehmen.“ Der Mann hebt das Kinn und richtet seinen Oberkörper auf. „Ich bin nämlich Illuminat.“ Ein letzter Blick, und Schirm schwingend schreitet er von dannen.
Fortsetzung folgt!
Euer Dr. Ewil
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Ich bin mir sicher, dass die MVG ihren geheimen Hauptsitz eigentlich in Frankfurt hat.
Das klingt nicht gerade nach Kulanz. Es scheint, als ob die MVG es sich leisten kann, ihre Kunden wie die letzten Penner zu behandlen. Es sind wohl doch noch genügend Menschen einfach auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Oder aber die verdienen derat gut an den Bußgeldern, dass sich dieses Vorgehen lohnt. Aber das wollen wir mal nicht unterstellen...