Salasar, der Hühnerdieb
Schwärze... Steh auf, du fauler Nichtsnutz!, brüllte es in den Stall hinein. Es war Bauer Georg, der da die morgendliche Ruhe von Salasar seinem Knecht störte. Wir befinden uns im Jahre 1270, also fast noch finsteres Mittelalter, und da hatte man für Faulpelze nicht sehr viel übrig, außer vielleicht einem Arschtritt. Das war allerdings Pech für Salasar, denn wenn es jemanden gibt, dessen Bild im Lexikon bei Faulheit stehen sollte, dann war er dieser Jemand. Salasar quälte sich aus seinem Nachtlager aus Stroh und alten zerfetzten Kartoffelsäcken und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Noch bevor er allerdings seiner Umwelt so richtig gewahr wurde, war es dem Bauern auch schon zu dumm geworden und er versetzte dem armen Salasar erst mal ein paar Hiebe. Das beschleunigte den Aufwach-Prozess natürlich ungemein.
Etwa 10 Minuten später stand Salasar dann auch schon draußen auf der Weide um die Schafe zu hüten. Es war bitterkalt und der gute Salasar fror erbärmlich, denn die vorhin erwähnten Kartoffelsäcke sind nicht nur sein Nachtlager, sonder vielmehr auch seine einzige Kleidung. Dabei hatte der Bauer so viele Schafe, aus deren Wolle er auch für ihn mal ein Pullover hätte gemacht werden können. Aber nein, er war hier draußen und durfte frieren. So ging das nun schon seit Jahren. Aber da begriff Salasar, dass das nicht die Erfüllung seines Lebens sein konnte, und das er so auch nicht weiter leben wollte. Kaum hatte er den Entschluss gefasst und diese schwere Tür in seinem Geiste aufgestoßen, spürte er auch schon wie eine Veränderung im Gange war. Er fühlte sich auf einmal stark und mächtig, ja unverwundbar.
Da öffnete er die Augen und blickte auf seine Hände. Er erschrak beinah, als er sie sah. Sie waren groß und grün geworden. Aber nicht nur das, sein ganzer Körper war grün und groß. Und hatte die seltsamsten Proportionen angenommen, alles so groß und grün. Da liefen alle Schafe davon. Salasar hörte wie sie über den nächsten Abgrund ins Meer sprangen, mit jedem Aufprall den er hörte spürte er einen Stich im Herzen. Er hatte Angst, so hatte er sich sein neues Leben nicht vorgestellt, er wollte doch niemandem Angst machen. Er setzte sich hin und weinte. Weinte stundenlang. Weinte bitterlich.
Als er fertig war mit weinen und wieder etwas sehen konnte, merkte er dass er ganz lila war, und sehr klein. Mit kleinen lila Stummelbeinchen. Er freute sich. Er lachte sogar. Er streifte durch das für ihn nun meterhoch erscheinende Gras und spielte mit den Insekten, die ihn liebevoll in ihre Reihen aufnahmen und ihn als einen der Ihren feierten. So wurde Salasar König der Insekten und herrschte über sie. Er war ein guter König, gütig und gerecht. Er wohnte mit Tausenden seiner Untergebenen in einem großen Insektenpalast. Doch dann erwachte er eines Morgens und stellte mit Schrecken fest dass er wieder groß war, und dass er im Schlaf alle seine treuen und lieben Untergebenen erdrückt hatte. Er schrie auf. Er schrie so laut er konnte. Er schrie stunde um Stunde bis er heiser war und nicht mehr schreien konnte.
Da fiel ihm auf dass er nicht nur wieder groß und rosa war, sondern dass um ihn herum lauter Schafe waren. Seine Schafe, na ja, die Schafe von Bauer Georg. Er hatte geträumt. Gott sei dank es alles nur ein Traum! Salasar stand auf, blickte sich um und merkte dass es Abend geworden war. Er trieb die Herde zusammen und führte sie zum Hof. Als er dort ankam, erwartete der Bauer ihn schon. Er lief auf ihn zu und umarmte ihn, wie einen lange verschollenen Sohn, der heimgekehrt ist. Er lud ihn ins Haus ein gab ihm Speis und Trank soviel er mochte, gab ihm neue Kleider und bediente ihn von vorn bis hinten. Salasar wusste gar nicht wie ihm geschah, ließ aber alles geschehen, denn schließlich gefiel es ihm gut. Diese nacht durfte er im Hause des Bauern schlafen, neben dem Bauern im Bette. Das Weib derweil teilten sie brüderlich und am nächsten Morgen erwachte Salasar entspannt und ausgeruht.
Alle waren weg. Und er lag in einem sehr großen Nest zusammen mit lauter kleinen Knochen und Federn. Da sah er auch schon einen großen Schatten vorüberfliegen. Er bekam Angst. Und er zitterte am ganzen Leib. Er zitterte so sehr dass sich das Nest aus den Ästen löste und hinunter stürzte. Er schloss die Augen und betete. Da hörte er zarte Harfenklänge, nein Discomusik! Da wurde es ihm klar. Er hatte wieder zu Drogen gegriffen um seiner mickrigen Existenz zu entfliehen! Boris befand sich auf der Toilette einer Großraumdisco. So eine Scheiße, dachte er, war das ein geiler Stoff! Er wollte tanzen. Schon kurz darauf hatte er die Tanzfläche erreicht und traf seinen Kollegen Hannes wieder. Sie tanzten bis in die frühen Morgenstunden und waren glücklich. Und wenn sie nicht zu viel gekifft haben, dann tanzen sie noch heute. ENDE.


Der Würstelhannes findet's subba!