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Sandokan, der Wüstenfuchs

Die Wüste G. ist trist

Die Wüste war schrecklich langweiliger Ort für einen jungen Wüstenfuchs. Nichts gab es hier. Nur ein paar verdorrte Gräser und abgestorbene Bäume. Sonst nur Sand, nichts als Sand, wohin das Auge auch blickte. Jetzt denken sie vielleicht, was will denn ein Wüstenfuchs mehr? Schließlich ist es ja ein Wüstenfuchs! Nunja, das mag schon stimmen, im Allgemeinen. Aber Sandokan ist ja kein gewöhnlicher Wüstenfuchs, er gehört einer neuen Generation von Wüstenfüchsen an, einer Generation, die es leid ist, immer nur dem alten Trott zu folgen. Diese Füchse wollen ausbrechen aus den Fesseln von Reglementierung und Tradition. Sie wollen eine Welt erschaffen, in der Wüstenfüchse mehr können, als tagtäglich durch die endlose Wüste zu streifen auf der Suche nach dummen Tieren, die sich hierher verirrt haben um dann festzustellen, dass sie wieder kein Glück hatten. Aber ich schweife ab.

Noch war es nicht soweit, die Zeit noch nicht reif, für eine Revolution in der Wüstenfuchsgesellschafft. Vorher hatte der kleine, überaus entzückende Sandokan noch einige Abenteuer zu bestehen. Unser kleiner Sandokan streifte also eines morgens durch die, schon so früh unerträglich brennende Hitze, einer hier nicht erwähnt werden wollenden Wüste. Nennen wir sie W. Gobi, oder besser, Wüste G. Unser kleiner Sandi schnupperte gerade so an einem verdorrten Strauch herum, als ihm plötzlich ein eisiger Schauer über den Rücken lief. Erst fand er das recht angenehm, weil es ja so heiß war, dann aber doch irgendwie beunruhigend. Er dreht sich also um und sah gerade noch einen Schatten hinter einem umgefallenen Baum verschwinden. Mit einem Mal waren seine Nerven zum zerreißen gespannt, er atmete schnell und flach. Vielleicht war es Beute, vielleicht ein Feind. Das wusste man in dieser Wüste nie so genau.

Es war ein großer Schatten gewesen. Ziemlich groß. Fast zu groß. Sandokan hatte Angst. Zum ersten Mal ertappte er sich dabei, wie er Angst hatte. Angst haben war aber in der Wüste ausgesprochen schlecht. Wer Angst hat verliert, hat sein Vater immer gesagt, bevor er von einem, zugezogenen Säbelzahntiger aus Madagaskar gefressen wurde. Diese Ausländer, dachte Sandi, machen immer nur Ärger, können nicht mal fließend unsere Sprache, fressen aber unsere Väter auf. Irgendwann wollte er sich dafür rächen. Durch die Gedanken an seinen Vater ermutigt, beschloss er also der Sache auf den Grund zu gehen und dem, was sich da hinter dem Baum befand, den Garaus zu machen. Noch ahnte er aber nicht, wie schwer das werden würde. Unbeschreiblich langsam schlich er sich an den Baum heran. Unmittelbar, bevor er ihn erreichte, sprang es aus seinem Hinterhalt und stand genau vor ihm. Er blieb wie versteinert stehen und blickte es an.

Es war der Eisverkäufer! Wie lange hatte er auf diesen Augenblick gewartet! Der kam nur alle halbe Jahr mal vorbei. Ein köstliches Eis war genau das Richtige an so einem verdammt heißen Tag. Er bestellte sich ein großes Spaghetti-Eis und verschlang es mit einem Haps. Doch was dann geschah werdet ihr nie glauben. Sandi wurde ganz komisch und die Welt schien sich zu drehen. Da erblickte er wie sich der Eisverkäufer aus seiner Verkleidung geschält hatte. Es war gar kein Eisverkäufer! Es war ein madagaskischer Säbelzahntiger! Oh nein, er hatte ihn vergiftet! Und warum? Natürlich, er wollte die Revolution unter den Wüstenfüchsen verhindern! Ihm wurde alles klar. Doch zu spät, viel zu spät, die Welt wurde schwarz um ihn herum und alles verlor seinen Sinn. Doch eines wusste er im Augenblick des Todes mit unumstößlicher Sicherheit: Er würde bald bei seinem geliebten Vater sein...

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