Schnappi, schnapp den Zucker!
Manchmal kommen mir abends im Bett noch gute Ideen. Weil dann aber nie etwas zu schreiben da ist und ich auch zu faul bin, aufzustehen und zum Schreibtisch zu gehen, mache ich einfach die Schublade des Nachttischkästchens auf. Wenn ich mir am nächsten Morgen den Fuß daran stoße, fällt mir bei einem leisen Fluch auf mich selbst wieder ein, warum ich sie offen gelassen habe. Die gestrigen Ereignisse haben sogar gezeigt, dass ich in der Lage bin, mir durch geschickte Kombination von Schlüsselwörtern zwei Dinge auf einmal zu merken, selbst wenn ich zwischendrin acht Stunden schlafe.
Während ich also im Bett völlig überflüssigerweise einen mehr oder weniger ereignislosen Tag Revue passieren ließ, blieb etwas an meinen Gedanken kleben. Es dachte sich irgendwie süß – oder wie ist das hirninterne Pendant für schmecken? (Das denkt sich süß?) Ich hatte nämlich auf der Zuckerpackung eines dieser schönen Nährwertkästchen entdeckt, die einem immer sagen, wie viel von seinem täglichen Bedarf an diesem und jenem man mit 100 Gramm des Lebensmittel gerade deckt. Das Faszinierende an der Nährwertangabe des Zuckers war, dass dieser weniger Kalorien als die Kartoffelchips hatte, welche im Schrank direkt danebenstanden. Das hat mich irgendwie verblüfft, auch wenn man es streng genommen so nicht vergleichen kann, denn wer isst schon 100 Gramm Zucker pur? Aber irgendwie gehen die Zuckerfabrikanten wohl davon aus, dass das jemand tut und dann in seiner persönlichen Ernährungstabelle vermerkt: 400 Kcal, schon 20 Prozent meines Tagesbedarfs, jetzt aber aufpassen! Gut, immerhin noch weniger als Chips.
Klar, 400 Kilokalorien sind schon recht viel, aber ich finde, die Zuckerindustrie müsste aus diesem Vergleich mit den Chips mehr machen. Beispielsweise könnten sie auf die Packung drucken: „Vergleichsweise kalorienarm!“
Nun aber zurück zum Thema: Während ich also diese Erkenntnis so spannend fand, dass ich deshalb sogar meine Nachttischschublade aufgemacht habe, hat meine Freundin nur knapp konstatiert: „Wie gut, dass ICH keine Kartoffelchips esse!“ Stattdessen fing sie an, aus unerfindlichen Gründen „Schni, schna, Schappi“ zu singen. Auf meine Frage, warum sie so etwas Furchtbares tut, sagte sie nur, sie sei noch gar nicht müde und müsse ja irgendetwas tun. Und ich solle lieber mal herausfinden, was aus dem Schnappi-Kind geworden ist, das interessiere bestimmt eine Menge Leute (und in Gedanken dürfte sie hinzugefügt haben: „definitiv mehr als diese Zuckerstory“). Ich erklärte ihr, dass ich mir das jetzt nicht merken könne, weil meine Schublade immer nur für eine Idee funktioniert und sie mich schon persönlich an die dämliche Schnappigeschichte erinnern müsse. Außerdem sei ich ohnehin der Meinung, dass die Schnappischnalle zu diesem ätzenden Mixerkind aus den Froop-Werbespots mutiert ist. Das hat sie mir dann wiederum nicht abgenommen, so dass ich mir den Mist doch selbst merken musste.
Wie Sie sehen, lieber Leser, konnte ich meine Schubladentechnik erweitern und mir durch gezielte Verbindung der Schlagwörter „Schnappi“ und „Zucker“ beides merken. Nun sind diese Themen irgendwie untrennbar verbunden, weshalb Sie einen Text vorfinden, der elegant zwischen den diametral angeordneten Thesen „Kaloriengehalt von Zucker“ und „Krokodilkinder im Wandel der Zeit“ pendelt. Ganz schön perfide, nicht wahr?
Ach ja, auch wenn ich es nicht gerne zugebe: Das Schnappikind ist nicht dasselbe wie jenes aus der Froop-Werbung – obwohl das von Nervfaktor durchaus hätte sein können. Es war also mehr oder weniger unangemessen, beide in die gleiche Schublade zu stecken. Das Froop-Blag heißt im wahren Leben Mia-Sophie und ist die Enkelin von „Melitta-Mann” Egon Wellenbrink. Die Interpretin des Schnappi-Songs heißt dagegen Joy Gruttmann und ist die Nichte der Komponistin Iris Gruttmann. Seit 1999 singt sie Lieder für „Die Sendung mit der Maus“. Die fünfte Aufnahme aus dem Februar 2001 wurde dann zum hirnerweichenden Nummer-1-Hit „Schnappi, das kleine Krokodil“. Und nachdem das nun geklärt ist, versuche ich beides wieder aus meinem Hirn zu löschen.
Schnapp,
die Chantále
=> Diese Seite per E-Mail weiterempfehlen! <=





