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Trachten-Tortur zur Wies’n-Zeit

Dummheit schmerzt, auch den Grafen

Eines will ich gleich mal klarstellen:
Ich habe nix gegen Trachten. Ich finde Trachten sogar wirklich schön. Einige Freunde von mir sind sowohl gebürtige als auch eingefleischte (= völlig wertungsfrei) Bayern. Sie tragen Trachten zu Familienfeiern, Geburtstagen, Feiertagen,  Hochzeiten oder einfach nur am Wochenende, wenn Besuch bei der Oma ansteht. Da gehört Tracht schon seit Generationen zur Tradition.

Eine gute Freundin von mir hat mir kürzlich erzählt, dass sie früher (als sie Teenager war  - also vor 5 Jahren ungefähr *hüstel*) von Klassenkameraden und Freunden permanent verarscht wurde, weil sie schon immer in Tracht mit ihrer Familie auf das Münchner Oktoberfest geht.

Die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile geht jeder hirnamputierte, meinungsfreie Vollidiot mit Tracht (oder was er dafür hält) auf das Oktoberfest.
Irgendwann hat nämlich irgendjemand beschlossen, dass es irgendwie total schick ist, in Trachten auf das Oktoberfest zu gehen. Und – Zack! – schmeißen sich sogar Menschen in die traditionelle Kluft, die sowas in ihrem normalen Leben niemals nicht tragen würden (weil es zugegebenermaßen wirklich altbacken aussieht). Oder glaubt jemand ernsthaft, dass eine 18-jährige Arzthelferin am Heiligen Abend bei ihrer Oma freiwillig ein Schürzenkleidchen anzieht? Oder dass sich ein geschniegelter Investment-Bänker sich mitten im Jahr zu einer Schicki-Micki-Afterwork-Party in ein paar Seppl-Hosen schmeißt?
Eben.

Aber zur Wies’n, ja, da wird ein Dirndl plötzlich ultra-mega-cool und eine Lederhos’n zum Must-Have. Experten sprechen hier von einem „Herdentrieb“.

Für alle Dummen, die zwar aus voller Überzeugung Tracht tragen, sich aber null damit auskennen, hier eine recht oberflächliche Liste, die man vielleicht doch beachten sollte, um nicht ein noch peinlicheres Bild abzugeben als sie es ohnehin schon tun:

  • Landhausmode ist keine richtige Tracht! Abgesehen davon sieht das extrem schwul aus.
  • Man zieht weder Chucks noch Ballerinas und schon gar keine Pumps (*argh*) zu einem Dirndl an! Das gilt ebenso für senfgelbe Panama Jack oder Adidas bei Lederhos’n! Es gibt sowas, das heißt Haferlschuah, gruzifix!
  • Ein klassisches Dirndl geht bis zu den Knöcheln. Alles, was drüber oder bis kurz unterm Arsch geht, neongrün mit neonrosa Blümchen-Applikationen  (oder umgekehrt) ist und der Ausschnitt bis zum Bauchnabel geht, heißt in meinem persönlichen Fachjargon „Nuttendirndl“
  • Es gibt eine verdammte Etikette zum Binden der Dirndl-Schürze:
    Schleife rechts = verheiratet, verlobt oder zumindest vergeben
    Schleife links = noch zu haben (damit wäre ICH vorsichtig)
    Schleife vorne = jungfräulich
    Schleife hinten = verwitwet
    Ähnliches gilt bei den Männern beim Binden des Halstuchs (ja, Halstuch gehört auch zu den wichtigen Accessoires)


Gruß,
der Graf, der garantiert nicht zu einem dieser Dirndl-Zombies mutiert

 

 


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Wer hat eine eigene Meinung?

6 Kommentare
#6 Steffi schrieb am 27.09.2008 00:03

A Packerl Watschn is glei aufgmacht!

#4 Maupin schrieb am 25.09.2008 20:44

Lieber Graf -
recht hast!!
Bis auf eines vielleicht - ein Dirndl meiner Mama (auch schon über 60) aus ihrer Jugendzeit war knielang - das darf man. Allerding OHNE Netzstrümpfe, Pfennigabsätze (...Gedanken am Rande - heisst das jetz Centabsatz...?) oder Clown-Make-Up.
Ich trag das Dirndl gern, oft und mit bayrischem Stolz.
Und wenn mir noch EIN Preuße ins Gesicht lacht weil er meinen "Akzent" so "witzig" findet, oder nach Untertiteln verlangt - dann klatschts!!! Mr. Green zwinker

#5 Seppl schrieb am 26.09.2008 15:29

Oder wie heißt das so schön?
Dann fällt der Watsch'nbaum ganz schnell um!
Razz

#3 Seppl schrieb am 25.09.2008 15:23

Oans, zwoa, drei - G'suffa!
Jo mei, Wies'n is halt wia Fasching:
Verkleid'n und sauf'n.
Nua länga.

#2 Chantále schrieb am 25.09.2008 08:37

Fesch.

#1 Steffi schrieb am 24.09.2008 16:49

Jawoll! Als echtes Münchner Kindl muß ich dem Grafen hier ohne Einschränkung zustimmen! Für mich bedeutet ein Dirndl zu tragen weitaus mehr, als einmal im Jahr mich damit für die Wiesn aufzumascheln, weil's "cool" oder "fett" ist.

Und noch ein schöner Gruß an unsere norddeutschen Freunde: es gibt nix blöderes, als einen Preußen in Dirndl oder Lederhosn, der sich spätestens dann outet, wenn er den Mund aufmacht. Und Nicht-Bayern in bayrischer Tracht finde ich wirklich sehr anmaßend! Mir würde doch auch als Bayer nie einfallen, irgendeine norddeutsche Tracht zu tragen!!! Oiso Gluppal weg!!!

In diesem Sinne, pfiat's Eich!