Von Eseln, Wein und netten Mädels
Woher kommt dieser Drang unbedingt etwas aus dem Urlaub mit nach Hause nehmen zu müssen? Dieses seltsame Bedürfnis, das sich immer durchsetzt, selbst wenn man weiß, dass die Errungenschaften nur unter größten Anstrengungen ins Handgepäck passen werden. Und warum zum Teufel verlieren diese Mitbringsel aus dem Urlaub zu Hause so schnell ihren Reiz? Warum schmeckt die Salami und der Schinken aus Italien daheim plötzlich nicht mehr so gut? Was ist los mit dem Wein aus Frankreich, dem Käse aus der Schweiz und dem Schnaps aus Ungarn? Von der mitgebrachten Lolita aus Thailand ganz zu schweigen!
Liegt es an der ausgelassenen Urlaubsstimmung, die man mit dem Mitbringsel vergeblich zu konservieren versucht? Man daheim aber feststellen muss, dass es voll für'n Arsch war. Spätestens wenn die Freunde, denen man das Zeug anbietet, sagen: „Ja, ganz nett.“ und damit meinen „Ich weiß nicht, warum du das mitgenommen hast! Apropos, was ist das überhaupt?“. Liegt das am Klima oder am Sonnenstich? Am Wegfalls des Urlaubs-Feelings? Oder ist es doch die Zeit, die plötzlich wieder zum Überholmanöver ansetzt und einem nicht die Freiheit lässt, die Dinge wirklich zu genießen?
Anscheinend sind Menschen, wenn sie in den Urlaub fahren, einfach irgendwie anders. Wie könnte es sonst sein, dass sie auf Mallorca 17 Euro für einen Milchkaffee und einen brösligen Keks ausgeben und dann meinen, so was tolles gäbe es zu Hause gar nicht. Oder was ist mit den Irren, die zwei Pfund Eselsalami von Corsica mit nach Hause schleppen? Eselsalami an sich ist schon ekelhaft. Es gibt schon Gründe, warum man das in Deutschland nicht im Supermarkt kaufen kann. „Wehret den Anfängen“ hat mal irgendwann irgendwer gesagt, der anscheinend so wichtig war, dass er ständig zitiert wird.
Und recht hat er. Dieser merkwürdige Mitbringsel-Tourismus muss aufhören. Das nützt doch keinem. Keine eklige Salami von exotischen Tieren mehr, kein Frostschutz-Wein aus Südfrankreich, keinen Schnaps aus Ungarn, der einem das Augenlicht raubt und auch keine netten Mädchen aus Fernost. Schluss mit dieser sinnlosen Verschwendung. Denn das zweite Problem lässt nicht lange auf sich warten. Wenn man erkennt, dass das alles gar nicht mehr so toll ist, wie im Urlaub, versucht man automatisch die Sachen wieder loszuwerden. Doch wohin damit? Wegschmeißen ist ein bisschen Schade, denn schließlich hat man dem freundlichen Touristen-Abzocker einmal viel Geld dafür gezahlt. Wobei man das zu diesem Zeitpunkt natürlich für ein super Schnäppchen gehalten hat. Also, schenken wir es jemandem. Die Freunde wollten es ja nicht. Wie wär's mit der Verwandtschaft? Die kann sich ja ohnehin nicht wehren. Denn wie bekannt ist, kann man sich seine Lieben nicht aussuchen. Am besten wären Oma und Opa, da sind die Sinne schon nicht mehr so scharf und die freuen sich, wenn sie mal wieder Besuch bekommen. Für Opa wäre mit Sicherheit auch die nette Thailänderin interessant. Der Omi sollte man die Eselsalami geben und verschweigen, dass sie vor kurzem noch unterm Feigenbaum I-A geschrien hat. Alternativ-Vorschlag: bei Ebay einstellen. Da wird eh so viel Mist verkauft, das fallen missglückte Mitbringsel auch nicht weiter auf. Restdauer der Auktion: 2T 23 h.
Geschafft, das Zeug ist weg. Man ist wieder mit sich selbst, dem Kühlschrank und auch dem Gästezimmer im Reinen. Und man verspricht es nicht wieder zu tun. Wahrscheinlich bis man dann auf den Malediven irgendwas exotisches entdeckt, das wie eine Kreuzung aus Kiwi und Banane aussieht und nach Leberwurst schmeckt. Spottbillig noch dazu. - Chantàle Deluxe




